Nach dem Rekordjahr 2000 ist der Markt weitgehend gesättigt
Der Handymarkt liegt am Boden

Die Hersteller von Mobiltelefonen rechnen in diesem Jahr mit einem kräftigen Absatzrückgang. Da wesentlich weniger neue Verträge abgeschlossen werden, kaufen die Kunden auch weniger neue Handys.

DÜSSELDORF. Der deutsche Mobilfunkmarkt wächst deutlich langsamer als noch im Rekordjahr 2000. Ende des vergangenen Jahres gab es in Deutschland rund 48 Millionen Mobiltelefonierer und damit fast doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. In diesem Jahr steigt die Kundenzahl deutlich langsamer. Marktforscher Matthias Plica erwartet Ende des Jahres 57 Millionen Handy-Besitzer in Deutschland und damit nur 18 % mehr als im Vorjahr. Ähnlich fällt auch die Prognose der Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung aus. Sie rechnen in Deutschland mit einem Wachstum von 12 bis 15 %, da bereits etwa sechs von zehn Deutsche ein Mobiltelefon besitzen.

Ende September gab es in Deutschland über 55 Millionen Handy-Besitzer. Marktführer T-Mobil hat seit Jahresanfang 3,5 Millionen neue Kunden hinzugewonnen und zählt damit insgesamt 22,6 Millionen im Bestand. Rund 21,8 Millionen Personen telefonieren über D2 Vodafone, das sind 2,6 Millionen mehr als Ende 2000. Hinzu kommen mehr als zehn Millionen Kunden bei den Anbietern E-Plus und Viag Interkom. Auch wenn die Zahl der Kunden inzwischen langsamer steigt, "ist 2001 ein recht gutes Jahr", heißt es bei T-Mobil: "2000 war ein Ausnahmejahr, es war klar, dass es so nicht weitergehen würde."

Das langsamere Wachstumstempo im Mobilfunkmarkt hat gravierende Auswirkungen auf die Handyhersteller. Wurden im Boomjahr 2000 noch rund 30 Millionen Mobiltelefone in Deutschland abgesetzt, so rechnen Marktforscher und Hersteller in diesem Jahr lediglich mit 18 Millionen verkauften Handys. Dies liegt für Norbert Quinkert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Motorola GmbH, vor allem an dem großen Erfolg der Prepaid-Verträge im vergangenen Jahr. Diese im voraus bezahlten Guthabenverträge ohne monatliche Grundbeträge waren 2000 der absolute Renner und erreichten rund 80 % der Verträge. "Dadurch ist der Markt für Privatkunden weitgehend gesättigt", sagt Quinkert. Der Markt für Geschäftskunden sei dagegen relativ stabil.

Subventionen für neue Handys gekürzt

Inzwischen haben die Netzbetreiber ihre Subventionen radikal gekürzt, so dass sich neue Handys laut Quinkert um durchschnittlich 100 bis 150 DM verteuert haben. Die gleichzeitig einsetzende Konjunkturflaute ließ die Kaufbereitschaft zusätzlich erlahmen. "Die Folge war, dass bis zum Ende des ersten Halbjahres zwei bis drei Millionen Handys im Handel auf Lager lagen und deshalb bei der Industrie kaum Bestellungen eingingen." Zusätzlich brachten die Hersteller aber auch wenig neue Modelle auf den Markt.

Für 2002 ist die Branche etwas optimistischer. Motorola erwartet ähnlich wie der Marktführer Nokia einen Gesamtmarkt in Deutschland von rund 20 Millionen Handys. Die Läger sind inzwischen geräumt, und die Hersteller beginnen mit der Auslieferung der Handys im neuen Standard GPRS, der schnellere Datenübertragung ermöglicht.

Motorola ist hier Vorreiter und hat bereits seit Ende 1999 das erste Modell im deutschen Markt. Inzwischen sind es sechs Modelle. Siemens hat zwei GPRS-Modelle im deutschen Markt. Marktführer Nokia beginnt erst jetzt mit der Auslieferung. Quinkert erwartet, dass bald alle Hersteller nur noch Handys mit GPRS-Technologie ausliefern werden. Er hält es für richtig, dass die Netzbetreiber nicht die neue Technologie in den Vordergrund stellen, sondern die Kunden von den neuen Anwendungen überzeugen wollen.

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