Nach dem Rover-Debakel
Pischetsrieder nimmt erneut auf Chefsessel Platz

Selten stieg ein Top-Manager nach tiefem Fall ähnlich rasant wieder in so lichte Höhen auf. Nur knapp drei Jahre nach seinem Sturz im Rover-Debakel klettert der Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder am 16. April wieder an die Spitze eines mächtigen Auto-Konzerns.

dpa WOLFSBURG. Er soll VW auf eher holpriger Wegstrecke sicher in die Zukunft steuern. Der scheidende Ferdinand Piëch, der den passionierten Hobbyangler vor zwei Jahren ins Boot zog, hält den 54-Jährigen trotz des Milliarden-Aussetzers für den "richtigen Mann".

"Er bringt die besten Voraussetzungen mit. Da ich Optimist bin, glaube ich, dass er es besser machen wird als ich", betonte Piëch kürzlich. Der "Besser-Macher" hat BWM zwar mit Rover Milliarden gekostet, wozu unter anderem übernommene Schuldenlasten, ein hoher Pfundkurs und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit beitrugen. Doch regierte im Hintergrund mit Vorgänger Eberhard von Kuenheim ein mächtiger Aufsichtsrats-Chef mit. BMW selbst entwickelte sich unter Pischetsrieders Regie glänzend, wagte auch den Weg in die Formel 1, in der nun prestigeträchtige Siege eingefahren werden.

In Wolfsburg muss der Bayer trotz aller Erfolge der Piëch-Ära vieles in Ordnung bringen: Schwieriger Modellmix, riskanter Einstieg in die Luxusklasse, eigensinnige Töchter. Dabei hat er es erneut mit einem machtvollen Vorgänger als Aufsichtsratsvorsitzender zu tun. Zum Start hat der gelernte Maschinenbau-Ingenieur (Diplom-Arbeit über strategische Unternehmensplanung) die Konzernteilung in zwei Markenfamilien angeschoben, type="organisation" value="DE0006757008"> Audi/Lamborghini/Seat und VW/Bentley/ Skoda, inzwischen wertneutral als "Nord- und Südmarken" bezeichnet.

"Ich halte es für absoluten Wahnsinn, wenn jede Marke ähnliche Produkte baut, aber VW kein Coupé, keinen Pickup, keinen Minivan und keinen bezahlbaren Geländewagen anbietet", zürnte vor einiger Zeit der mächtige VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Volkert. Der neue VW-Chef machte den "Wahnsinn" Top-Konzernmanagern Ende 2001 mit giftgrüner Farbe deutlich: Auf einem Chart markierten grelle Punkte Lücken im Regal des VW-Konzerns. An anderer Stelle ballten sich blaue Kreise und zeigten Modelle mit identischen Zielkunden ab. "Man muss in der Polo-Klasse nicht drei Stufenheck-Autos von Seat, Skoda und VW anbieten", sagt Pischetsrieder. Er will die Zahl der abgedeckten Segmente von 75 "auf 85 bis 90 Prozent" erhöhen.

Bei der Stamm-Marke VW muss Pischetsrieder politische Interessen des Hauptanteileigners Land Niedersachsen und Renditeziele unter einen Hut bringen. Seine bei Rover gescheiterte Führungs-Philosophie der "langen Leine" hat er abgelegt und wie Ferdinand Piëch 1993 energisch alle Kontroll-Funktionen im Konzern an sich gezogen. "Ich war schon früher der erste Mann und weiß, wie ein Unternehmen funktioniert." Anders als Porsche-Enkel Piëch hält der Großneffe des "Mini"-Konstrukteurs Sir Alec Issigonis aber an der Führungsmannschaft fest.

Im Blick haben muss Pischetsrieder wichtige Baustellen bei der Hausmarke: Der Nachfolger des angejahrten und von der Konkurrenz schwer attackierten "Golf" muss ein Erfolg werden, wie auch der Minivan auf Golfbasis samt Pilotprojekt 5000 x 5000 mit seinem neuen Produktions- und Bezahlungs-Konzept. Gerieten Arbeitsplätze in Gefahr, könnte die politische Rückendeckung verloren gehen.

Der Bayer geht das gelassen an und verweist auf den - "neben dem Bart" - größten Unterschied zum Vorgänger: "Herr Piëch ist sehr viel mehr Techniker als ich, weil er Zeit seines Lebens Entwicklungschef war. Bei mir ist das anders: Ich frage mich, wie muss man ein Auto bauen, damit es bei den Kunden ankommt. Und ich glaube, dass ich das ganz gut beurteilen kann."

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