Nach dem Sabena-Konkurs stehen weitere Fluggesellschaften vor dem Zusammenbruch
Airlines droht Pleiteserie

Mit der belgischen Sabena hat am Mittwoch Europas zweitälteste Fluggesellschaft wie erwartet einen Konkursantrag gestellt. Die Luftfahrtbranche rechnet fest damit, dass bald weitere Airlines in Not geraten.

ek/ef DÜSSELDORF/ZÜRICH. In der europäischen Luftverkehrsbranche werden nach dem gestrigen Konkursantrag der belgischen Fluggesellschaft Sabena in naher Zukunft weitere Airline-Pleiten erwartet. "Nur die liquiden Airlines mit reichlich Cash werden letztlich überleben", sagte Chris Tarry, Luftfahrt-Analyst der Commerzbank.

Als besonders prekär gilt die Lage der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus. Nach - vom Unternehmen nicht bestätigten - Angaben aus Brüsseler Luftfahrtkreisen hat das Unternehmen bei der EU-Kommission bereits um eine Rettungsbeihilfe nachgesucht. Angeblich drohen der Gesellschaft Anfang kommenden Jahres Liquiditätsprobleme.

Erstaunen hat in der Branche die Ankündigung von British Airways (BA) am Dienstag ausgelöst, dass die Fluggesellschaft erstmals seit ihrer Privatisierung 1987 für das laufende Geschäftsjahr rote Zahlen erwartet. "Wir haben bisher immer erwartet, dass wir gemeinsam mit BA und Air France das starke Trio der europäischen Luftfahrt sind, nun bleibt da wohl nur noch ein Duo übrig", hieß es inoffiziell bei der Lufthansa.

Die Entwicklung in Großbritannien betrifft auch die niederländische KLM, die eine enge Zusammenarbeit mit BA anstrebt. Nach Einschätzung von Luftfahrtexperten wird diese Kooperation dazu führen, dass KLM sich erheblich verkleinern muss und "eher den Kellner als den Koch spielen" werde. Eine ähnliche Reduzierung stehe auch der von hohen Verlusten betroffenen Alitalia bevor, die in der Anlehnung an Air France voraussichtlich ihre interkontinentalen Flüge aufgeben müsste.

Als unmittelbar gefährdet gelten Luftfahrtkreisen zufolge unter den nationalen Fluggesellschaften auch die TAP Air Portugal und die polnische Lot. An ihnen hatte die vor dem Konkurs stehende Swissair größere Anteile. Offen ist weiterhin das Schicksal der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft LTU, an der die Swissair mit 49,9 % beteiligt ist. Spekulationen darüber, dass ein Käufer für den Swissair-Anteil gefunden worden sei, wollte die Kanzlei des Schweizer Zwangsverwalters Wüthrich nicht bestätigen. Im so genannten Nachlassstundungsverfahren gebe es lediglich einen Vorschlag an das Gericht, was mit den LTU-Anteilen geschehen solle. Diese Empfehlung werde aber nicht veröffentlicht.

Die belgische Regierung kündigte nach dem Konkursantrag der Sabena die Gründung einer neuen privaten Fluggesellschaft an. In ihr sollen Teile der Sabena-Konkursmasse aufgehen. Zwölf Banken und Unternehmen würden 200 Mill. Euro Kapital einbringen. Ausgangsbasis sei die bisherige Sabena-Regionalfluggesellschaft DAT, die 1 000 Slots von Sabena übernommen hat.

Vom Sabena-Konkurs wird nach Ansicht des Analysten Tarry bei den internationalen Verbindungen vor allem Air France profitieren, speziell im Transatlantik-Flugverkehr werde allerdings voraussichtlich American Airlines der Hauptnutznießer sein.

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