Nach dem Scheitern der Fusionspläne
Middelhoff-Führung wird trotz EMI positiv gesehen

Genau zweieinhalb Jahre war Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff im Amt, als der Medienkonzern am 1. Mai das Scheitern der Fusionspläne seiner Musiksparte mit der britischen EMI Group bekannt gab. Damit gescheitert ist vorerst auch Middelhoffs Ziel, das Unternehmen an die Weltspitze der Musikindustrie zu führen.

Reuters HAMBURG. Mit einem rückläufigen Anzeigengeschäft beim Konzern-Verlagshaus Gruner+Jahr und der von Analysten als zu kostspielig bewerteten Mehrheitsübernahme der Fernsehgruppe RTL sehen Kritiker Probleme in wichtigen Bereichen des Unternehmens. Im Konzern selbst werden die ersten Jahre mit Middelhoff dagegen positiv gesehen. "Er hat das Unternehmen schließlich schon sehr weit gebracht", sagt ein ehemals enger Mitarbeiter Middelhoffs. "Es gibt aber eben auch mal einen Rückschlag", sagt er mit Blick auf EMI.

Der Konzern zeigt sich nicht zuletzt wegen der Umsatzzahlen gelassen, die sich nach den Worten einer Konzern-Sprecherin unter Middelhoff "außerordentlich positiv" entwickelt haben. So rechnet Bertelsmann für das laufende Geschäftsjahr 2000/2001 (zum 30. Juni) mit einem Umsatz von rund 40 Mrd. DM. "Damit wird sich der Umsatz in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt haben", sagt die Sprecherin.

Frühes Engagement bei AOL

Geld in die Kassen gespült hatte auch das frühe Engagement bei dem Internet-Dienstleister America Online, das Bertelsmann wieder aufgab, als der AOL-Anteil bereits ein Vielfaches seines ursprünglichen Wertes erreicht hatte. Von Kritikern war der Ausstieg bei AOL als Kehrtwende in der Internet-Strategie Middelhoffs gesehen worden, der den Konzern nun ganz auf den Verkauf von Inhalten ausrichten will.

Seit Anfang November 1998 versucht der jetzt 47-jährige Middelhoff als Vorstandsvorsitzender, das mit deutschen Buchclubs groß gewordene Unternehmen in einen "Global Player" der Multimedia-Industrie umzuwandeln. Sein spektakulärster Vorstoß war wohl die unkonventionelle Allianz mit der Online-Musikbörse Napster, die der Musikbranche mit ihrem kostenlosen Tausch von Musikdateien bis dahin als Todfeind galt.

Sein Ziel, die anderen Musikunternehmen ebenfalls für Napster zu gewinnen, ist Middelhoff bisher nicht gelungen: Sie halten an ihren Klagen gegen Napster fest. Ob Middelhoffs Napster-Strategie letztlich zum Erfolg führt, wird sich in einigen Wochen zeigen. Anfang Juli soll Napster nämlich kostenpflichtig werden und dann mit dem Online-Vertrieb digitalisierter Musikstücke Geld einbringen. Doch Napster droht nach den Klagen weiter das Aus. Entscheidend ist deshalb, ob Napster sich bis zum Start des kostenpflichtigen Angebots halten und so Mill. Nutzer zu Kunden machen kann.

In Gütersloh punkten konnte Middelhoff mit der Übernahme des prestigeträchtigen US-Verlages Random House und der Mehrheitsbeteiligung an der RTL Group, die Bertelsmann gleichzeitig Aussicht auf eine Teil-Börsennotierung eingebracht hat. In der Branche löste der dafür ausgehandelte Aktientausch mit der belgischen Holding GBL Erstaunen über eine niedrige Bewertung der Bertelsmann AG aus. GBL hält jetzt 25,1 % der Bertelsmann AG und kann diese in drei bis vier Jahren an die Börse bringen.

RTL-Übernahme lenkte ab

Die RTL-Übernahme hatte Anfang des Jahres vorübergehend von den in der Branche mit Spannung verfolgten Verhandlungen mit EMI abgelenkt. Geschäftlich einig waren sich Middelhoff und EMI-Chairman Eric Nicoli schon seit Monaten, doch die zu erwartende eingehende Prüfung durch die Kartellbehörden ließ das Vorhaben schließlich scheitern.

In Gütersloh hat sich an Middelhoffs Position trotzdem nichts geändert. Firmen-Patriarch Reinhard Mohn fuhr am Mittwoch wie geplant zur Universität Münster, die ihm die Ehrendoktor-Würde verlieh. Einen Grund zur Plan-Änderung wird der 79-jährige Nachkriegsgründer der Bertelsmann AG auch nicht gesehen haben, denn Middelhoff hat auch bei den Verhandlungen mit EMI genau nach seinem Willen gehandelt. "Ich verlange von meinen Führungskräften, dass sie etwas wagen", hatte Mohn erst Anfang April in einem Magazin-Interview gesagt. Schließlich habe er mit dieser Strategie selbst Erfahrungen gemacht: "Man probiert etwas aus - manches funktioniert, anderes nicht.

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