Nach dem SPD-Wahldebakel: Stimmen zur Wahl

Nach dem SPD-Wahldebakel
Stimmen zur Wahl

Vertreter der Wirtschaft äußern sich positiv zu den Ergebnissen der Wahlen in Hessen und Niedersachsen.

Jürgen Großmann, Chef der Georgsmarienhütte Holding:

Aller guten Dinge sind drei, Christian Wulff hat seine letzte Chance genutzt, Ministerpräsident von Niedersachsen zu werden. Meinen Glüchwunsch! Die schwarz-gelbe Koalition ist gut für die Großindustrie, aber auch für den Mittelstand. Bislang orientierte sich die Landespolitik sehr stark am Wohlergehen von VW. Bundespolitisch ist das Wahlergebnis eine ziemliche Watsche. Berlin muss jetzt mehr tun, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Ich meine nicht die Steuerpolitik; Deutschland ist bereits ein Niedrigsteuerland. Vielmehr muss die Regierung Schröder das Gesamtsystem entrümpeln, den Mut zu einschneidenden Sozialreformen aufbringen und sich dabei gegen eine einzelne, mächtige Interessengruppe durchsetzen."

Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener Ifo-Instituts:

"Die Wahl setzt die innerparteiliche Opposition von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement schachmatt und macht es wahrscheinlicher, dass es ihm gelingt, eine Politik des Kompromisses mit der CDU zu fahren. Wenn das ein bisschen große Koalition durch die Hintertür ist, dann kann man hoffen, dass einige Reformen auf den Weg gebracht werden. Für die Konjunktur wird es positive Effekte geben, aber sie werden gering sein. Wichtiger sind die langfristigen Implikationen, wenn die notwendigen Reformen nun endlich in Gang gesetzt werden."

Robert J. Koehler, Vorstandsvorsitzender SGL Carbon:

"Ich begrüße das Wahlergebnis. Roland Koch macht einen guten Job. In Deutschland zählt Hessen zu den wenigen Bundesländern mit einer robusten Wirtschaft. Das Wachstum liegt über dem Bundesdurchschnitt, die Arbeitslosigkeit beträgt weniger als sieben Prozent. Einzig Baden-Württemberg und Bayern liegen weiter vorn. Alle drei Länder sind von Unionsparteien regiert. Das ist kein Zufall."

Kajo Neukirchen, Vorstandsvorsitzender MG Technologies:

Die Wahlergebnisse sind ein deutliches Signal an die Adresse der Bundesregierung - und die deutsche Politik insgesamt -, endlich zu handeln, endlich Führung zu zeigen, endlich den Mut zu tiefgreifenden Reformen zu finden. Sonst bleibt Deutschland trotz seiner enormen Potentiale ein Abstiegskandidat. Ich kann nur hoffen, dass dieses Signal verstanden wird.

Rolf Drees, Sprecher der Fondsgesellschaft Union Investment

"Die Wahlentscheidungen haben keine Auswirkungen auf die Börse. Dass die CDU die Wahlen in Hessen und Niedersachsen gewinnt, dürfte in den Kursen bereits eingepreist sein. Die Märkte sind seit Wochen davon überzeugt, dass die Christdemokraten die Wahl gewinnen. Die Siege der Christdemokraten bei den Landtagswahlen sorgen zwar für ein strukturelles Patt in der Politik und sind kein Rezept gegen die Reformunfähigkeit Deutschlands. Aber wenigstens verhindert ein starkes Übergewicht der CDU im Bundesrat, dass weitere schlimme Fehler der Bundesregierung in der Wirtschaftspolitik umgesetzt werden. Aufgrund der wirtschaftsfeindlichen Politik der SPD im Bund hätte ein Wahlsieg der Sozialdemokraten negative Auswirkungen auf die Aktienkurse gehabt".

Holger Schmieding, Deutschland- Experte der Bank of America:

"Deutschland hat jetzt ein Zeitfenster für Reformen. Die Bevölkerung wünscht sich eindeutig einen neuen Anlauf, die nächsten wichtigen Wahlen sind 18 Monate entfernt. In den nächsten Monaten sind einige moderate Reformen wahrscheinlich - eine leichte Lockerung der Arbeitsmarkt-Gesetze, und Änderungen im Gesundheits- und Sozialversicherungssystem. Aber wegen der deutschen Konsenspolitik sollte man keinen Durchbruch à la Margret Thatcher erwarten."

Ralph Solveen, Deutschland- Volkswirt der Commerzbank:

"Nach dem Wahlausgang sind die Aussichten für Reformen etwas besser, als nach dem rückwärtsgewandten Koalitionsvertrag vom Oktober zu erwarten war. Freilich wird der Widerstand der Gewerkschaften enorm sein. Die nötigen Reformen werden nicht konsequent angegangen werden und wohl auch mit Zugeständnissen an die Gewerkschaften verbunden sein."

Werner M. Bahlsen, Chef der Bahlsen GmbH & Co. KG, Hannover:

"Für Niedersachsen hat die Wahl klar gezeigt, dass die Menschen einen Politikwechsel wollten. Ich erwarte nun, dass die CDU und Christian Wulff ihr Pro- gramm auch gegen Widerstände durchsetzen: Niedersachsen muss wieder attraktiv werden für Investitionen. Es gilt, Hemmnisse und Bürokratie abzubauen und vor allem den Mittelstand massiv zu stärken. Nur so werden neue Arbeitsplätze entstehen."

Wilhelm Bender, Vorstands- chef des Frankfurter Flughafens Fraport:

"Der Wahlausgang in Hessen ist auch eine deutliche Bestätigung unserer Umfragen: Die Mehrheit der Wähler und Wählerinnen in Hessen befürwortet den Ausbau des Flughafens, für den die alte und neue Landesregierung steht. Dies bedeutet eine wichtige Stärkung unserer Zukunftsfähigkeit und macht mich zuversichtlich, dass der Flughafen weiter Garant für Wachstum und Prosperität in der Rhein-Main-Region bleiben wird."

Volker Borghoff, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt:

"Der Wahlausgang könnte positive Impulse für die Aktienkurse bringen. Die Börse würde es gern sehen, wenn die Opposition einen noch größeren Ein- fluss auf die Bundespolitik hätte. Damit steigt der Druck auf die Bundesregierung, endlich die wichtigen Reformen anzugehen."

Carl-Peter Forster, Vorstandschef der Adam Opel AG, Rüsselsheim:

"Ich gratuliere Roland Koch und freue mich auf die Fort- setzung der guten Zusammenarbeit mit ihm. Politik und Industrie müssen gemeinsam helfen, die pessimistische Grundeinstellung der Bevölkerung zu beseitigen, damit wir mehr Wachstum und Beschäftigung bekommen. Wir werden unseren Beitrag leisten."

Bernd Lieberoth-Leden, Chef Wilhelm Karmann GmbH, Osnabrück:

"Wir erwarten von einer CDU-geführten Landesregierung eine Verstetigung der Regionalpolitik. Die Wirtschaft muss langfristig planen können und braucht verlässliche und nachvollziehbare Rahmenbedingungen der Wirtschafts- und Verkehrspolitik."

Jan B. Berentzen, Chef der Berentzen-Gruppe Haselünne:

"Den Regierungswechsel in Niedersachsen interpretiere ich als Signal der Wähler. In Niedersachsen und am Standort Deutschland muss sich dringend sehr viel ändern. Als Unternehmer fordere ich eine solidere Wirtschafts- und Finanzpolitik, die stimulierende Rahmenbedingungen schafft."

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