Nach dem staatlichen Großeinsatz gibt weiterhin vereinzelnt Widerstand
Häftlinge in der Türkei leisten weiter Widerstand

dpa ANKARA. Auch drei Tage nach Beginn eines Großeinsatzes türkischer Sicherheitskräfte gegen Hungerstreiks in 20 Gefängnissen leisteten Häftlinge am Donnerstag in einer Haftanstalt von Istanbul weiter Widerstand. Dagegen ergaben sich nach Fernsehberichten die Insassen eines Gefängnisses in der Stadt Canakkale. Bei dem Sturm auf die 20 Strafanstalten sind nach Angaben der türkischen Fernsehstation NTV mindestens 20 Menschen ums Leben kommen. Justizminister Hikmet Sami Türk sprach von 17 getöteten Häftlingen und zwei Soldaten, die im Einsatz gestorben seien.

Das türkische Fernsehen zeigte am Donnerstag, wie sich mindestens 30 Häftlinge im Gefängnis von Canakkale auf Händen und Knien auf verschanzte Militärpolizisten zubewegten. Die Direkt- Berichterstattung wurde von den Behörden abrupt unterbrochen. Die Gefangenen hatten zwei Menschen mit sich geschleift. Das Fernsehen zeigte auch Anstaltsgebäude, die offensichtlich von den Sicherheitskräften zerstört worden waren, um an die Gefangenen heranzukommen.

Protest richtet sich gegen Einrichten kleinerer Haftzellen

Nach dem Sturm von 18 Gefängnissen am Dienstag ging die Revolte aus Protest gegen geplante kleinere Zellen am Donnerstag nur im Istanbuler Gefängnis Umraniye weiter. Dort sollen rund 400 Menschen Strafen verbüßen. "Unsere Sicherheitskräfte arbeiten sehr vorsichtig, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden", sagte Türk. "Wenn wir wollten, könnten wir das Problem in einer Stunde lösen." Beim Erstürmen der anderen Anstalten hatten sich nach seinen Angaben die meisten der Opfer selbst in Brand gesteckt. 77 Häftlinge und vier Soldaten seien verletzt worden.

Der zweimonatige Hungerstreik von etwa 1 100 vornehmlich linksgerichteten Gefangenen richtete sich gegen die Schaffung kleiner Zellen in neuen Gefängnissen anstelle der bisherigen Großräume. Die Häftlinge befürchten, dass sie in den kleinen Zellen eher Übergriffen von Aufsehern ausgesetzt sein könnten.

Das gewaltsame Vorgehen der Regierung hatte unter anderem in Deutschland Proteste ausgelöst. Die nordrhein-westfälischen Grünen forderten Innenminister Fritz Behrens (SPD) auf, einen Abschiebestopp in die Türkei zu erlassen. Das brutale Vorgehen der türkischen Sicherheitskräfte gegen hungerstreikende Gefangene machten wieder einmal deutlich, wie unsicher die Menschenrechtslage in der Türkei sei, erklärte die Vorstandssprecherin der Grünen, Britta Haßelmann.

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