Nach dem Wirbelsturm
Big Easy liebt es unterhaltsam

New Orleans bleibt seinem Bürgermeister Ray Nagin treu. Nun gilt es, die Wirtschaft davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, in die vom Wirbelsturm Katrina zerstörte Stadt zu investieren.

WASHINGTON. Es hätte eine so wunderbarer amerikanischer Traum werden können: 28 Jahre nachdem der letzte weiße Bürgermeister das Rathaus von New Orleans räumte, übernimmt dessen Sohn wieder die Amtsgeschäfte in der City Hall. Amerika wäre um eine weitere dynastische Volte der Familie Landrieu reicher geworden, mit Vater Moon, Tochter und US-Senatorin Mary und schließlich dem Sohn Mitch Landrieu. Doch es kam anders. New Orleans behält seinen schwarzen Bürgermeister Ray Nagin. Erst am Ende einer Wahlnacht, die mal den einen, mal den anderen vorne sah, setzte sich Nagin mit 52 Prozent der Stimmen durch.

Gesichert ist damit zumindest eines: ein hoher Unterhaltungswert in der Stadt, die zumindest vor dem Wirbelsturm Katrina nur "The Big Easy" genannt wurde. Denn Ray Nagin, vor vier Jahren noch Manager einer Kabelfernsehgesellschaft, macht dort, wo er auftritt, gute Stimmung. Ob er sich als Dialektimitator, als Verkleidungskünstler oder als Kämpfer für die gerechte Sache betätigt - Nagin ist "fun". Und zumindest wird er dafür sorgen, dass New Orleans amerikaweit im Gespräch bleibt. Auch einen Tag nach seiner Wiederwahl blieb er gestern seiner Rolle treu. Vor seinen Anhängern zitierte er Gandhi: "Erst ignorieren sie Dich, dann lachen sie Dich aus, dann bekämpfen sie Dich, aber dann gewinnst Du."

Ob die Wiederwahl des bald 50-Jährigen allerdings die Stadt zügig voranbringen wird, bleibt offen. Denn Nagin steht jetzt vor der eigentlichen Nagelprobe. Bislang war es ihm gelungen, entweder Präsident George Bush höchstpersönlich, die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, oder die Notstandsbehörde Fema für das Versagen in New Orleans verantwortlich zu machen. Ein Versagen, das ein Dreivierteljahr nach dem Hurrikan noch immer zum Greifen ist. Trotz versprochener Milliarden aus Washington sehen große Teile der Stadt weiterhin wie ein Trümmerfeld aus. Weniger als die Hälfte der einst rund 470 000 Einwohner sind zurückgekehrt, viele Geschäfte nach wie vor geschlossen. Der Aufbruch in der geschundenen Stadt lässt auf sich warten.

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