Nach den Anschlägen
Lufthansa-Chef droht mit Entlassungen

Lufthansa-Chef Jürgen Weber hat Entlassungen angedroht, sollten sich die Tarifparteien nicht bis Mitte November auf eine Reduzierung der Arbeitszeit bei entsprechendem Lohnverzicht einigen.

ap PEKING/FRANKFURT. Seine Gesellschaft transportiere seit dem 11. September täglich rund 30 000 Passagiere weniger als vorher, sagte Weber am Donnerstag in Peking. Am Mittwoch hatte die Dienstleistungsgewerkschaft verdi nach einem Gespräch mit dem Vorstand erklärt, sie sehe derzeit keinen Anlass für die Einführung der Vier-Tage-Woche bei der Lufthansa.

Weber nannte die Lage im internationalen Luftverkehr "sehr dramatisch." Die Lufthansa habe Einnahmeverluste von 20 Mill. Mark (10,2 Mill. Euro) täglich. Dem Rückgang bei der Nachfrage begegne Lufthansa mit einem Drei-Stufen-Plan, deren erste - Urlaubsabbau, Offenlassen frei werdender Stellen und Einstellungsstopp - bereits praktiziert werde.

Das reiche aber nicht; es müsse eine Arbeitszeitverkürzung mit Lohnverzicht folgen, sagte Weber und wiederholte seinen Vorschlag, den Rückgang um 20 Prozent bei den Verkehrsleistungen mit einer Verringerung von 20 Prozent der Arbeitszeit zu parieren: "Das entspricht genau dem fünften Tag" der Woche, sagte er. Die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und verdi müssten sich darauf mit den Arbeitgebern "in wenigen Tagen", also bis etwa Mitte November einigen, verlangte Weber. Sonst müsse die dritte Stufe in Kraft treten: "Kurzarbeit und Entlassungen."

Ein verdi-Sprecher sagte, die Gewerkschaft halte das Instrument der Kurzarbeit in einigen Bereichen der Lufthansa, wo es passe, durch aus für sinnvoll. Erstaunt sei man nach den Gesprächen vom Mittwoch allerdings über die Drohung Webers mit Entlassungen. Die Gewerkschaft fordert, die Lufthansa solle zunächst alle Möglichkeiten zur Verringerung des Arbeitszeitvolumens ausschöpfen. Dazu gehöre der Stopp von Überstunden, der Abbau freier Tage, der Ausbau von Teilzeitarbeit und die Gewährung von unbezahltem Urlaub. Zugleich sieht verdi auch die Politik in der Pflicht, Maßnahmen zur Unterstützung der Lufthansa zu ergreifen. Das betreffe unter anderem die Verluste des Konzerns während der Sperrungen des amerikanischen Luftraumes, die gestiegenen Versicherungsprämien und die angekündigte Anhebung der Flugsicherungsgebühren.

Kostenlose Staatsgarantie verlangt

Die Absicht der Bundesregierung, Geld für Sicherheitsgarantien bei Unglücken zu verlangen, die durch Kriegseinwirkung verursacht werden, nannte Weber "skandalös". Es entstünden überhaupt keine Kosten, so lange der Schadensfall nicht eingetreten sei. Fluggesellschaften in anderen Staaten sei diese Garantie umsonst gegeben worden. Er habe bereits mit Gerhard Schröder darüber gesprochen, und der Kanzler habe ihm versichert, er werde sich der Angelegenheit annehmen. Weber begleitet Schröder auf dessen Asienreise.

In den ersten Tagen unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September, als der Luftraum über den Vereinigten Staaten gesperrt war, sei der Lufthansa ein Schaden von rund 180 Mill. Mark entstanden, sagte Weber. Er erwarte, dass dieser Ausfall vom Staat erstattet werde, sagte Weber. Brüssel habe bereits signalisiert, dass das nicht als Subvention gelte, wenn der Schaden im Einzelfall nachgewiesen werden könne.

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