Nach den Anschlägen
Risiken bei Logistikaktien gestiegen

Seit den Anschlägen in Amerika hängt über allem ein Schleier der Unsicherheit. Unternehmen positionieren sich neu und kalkulieren hart, um die Folgen der Attentate zu verdauen. Neben Versicherungen und Luftfahrtgesellschaften sind auch Logistik-Unternehmen betroffen. Entsprechend risikoreich ist die Entwicklung ihrer Anteilsscheine auf dem Parkett. In der vergangenen Woche hat sich die Börse in Deutschland zwar erholt. Doch Anleger sollten trotzdem lieber davon absehen, im Depot Logistikwerte beizumischen.

DÜSSELDORF. "Insgesamt haben die Anschläge sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die Logistik-Branche", sagt Pierre Drach von Independent Research. Nach seiner Einschätzung leidet man dort vor allem unter der Unsicherheit, was politisch folgen wird. Zudem könne noch niemand genaue Schadensdaten veröffentlichen. Zurzeit sei zwar eine Verschiebung weg von der Luftfahrt hin zu alternativen Transportwegen beobachtbar. Doch selbst die gestiegenen Aussichten daraus verhelfen nach Ansicht des Analysten kaum einer Aktie zu Potenzial.

Viele Logistiker mussten Federn lassen, weil das Geschäft einige Tage ruhte, als Amerika den Luftraum wegen der Attentate abriegelte. Der nächste große Schlag kam mit den Versicherungen, die in Folge der Anschläge nicht nur Fluggesellschaften, sondern auch Transport-Unternehmen die Verträge kündigten.

"Logistiker sind von zwei Seiten angegriffen", beschreibt Michael Gierse, Fondsmanager der Union Investment GmbH, die Situation. Nicht nur die Luftfracht-Versicherungen werden teurer, sondern zum Beispiel auch die Sicherheit beim Transport per Containerschiff bzw. es wird dann im Schadensfall weniger Risiko übernommen. Daher rät auch der Fondsmanager, die Finger besser von entsprechenden Aktien zu lassen. Wer jetzt sein Kerngeschäft in Nordamerika habe, sei natürlich stärker betroffen, doch auch die europäischen Logistiker müssten künftig tiefer in die Tasche greifen.

Wenig Hoffnung auf eine Trendwende

Anleger sollten sich, so Gierse bewusst sein, dass dies für die Unternehmen eine große Belastung sein kann und sie ein hohes Risiko schultern. Zudem spielt das Verbrauchervertrauen eine große Rolle für Transporteure. Dieses war schon vor dem 11. September nach unten gerichtet. Danach ist es noch einmal deutlich eingebrochen und die aktuellsten Daten lassen auch keine Hoffnung auf eine Trendwende. "Der größte Teil des Umsatzes von Logistikfirmen ist abhängig von der weltweiten Bruttosozialprodukt-Entwicklung", erklärt Gierse. Die Gleichung hinter seiner Aussage ist einfach: Steigt das verfügbare Einkommen der Konsumenten, steigt auch deren Nachfrage; es wird mehr transportiert, also bekommen die Logistik-Unternehmen mehr zu tun.

Doch genügt es nicht, wenn wahllos das Sozialprodukt einzelner Länder steigt, während das anderer zusammenbricht. "Logistikern geht es dann am besten, wenn das Sozialprodukt überall gleichmäßig wächst, weil dann auch überall gleichmäßig die Nachfrage steigt", so Gierse. Der Grund dafür liegt bei den hohen Kosten, die es unablässig machen, in beiden Richtungen beladen zu sein, egal ob die Ware nun per Containerschiff oder LKW von A nach B gebracht wird. "Für das Geschäft zwischen Europa und Asien nützt es nichts, wenn die Nachfrage in Europa steigt, in Asien aber gleich null ist", so der Fondsmanager, dann würden zwar Güter von Asien nach Europa gebracht, die Rückfahrt aber wäre leer - das Risiko eines solchen Unternehmens, und damit auch der Aktie, also überproportional hoch.

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