Nach den deutlicher Kursverlusten seit Jahresanfang
Analysten korrigieren Dax-Prognosen

Nach den deutlichen Kursverlusten im Deutschen Aktienindex seit Anfang des Jahres hat eine Reihe von Analysten ihre offenbar doch recht optimistischen Prognosen für den Jahresendstand des Dax reduziert.

Reuters FRANKFURT. Vor allem die sich hinziehende Irak-Krise belaste die Wirtschaft und die Kurse, heißt es aus den Banken. Von zehn befragten Banken und Handelshäusern haben fünf ihre Prognose für das Gesamtjahr bereits gesenkt. Im Schnitt wird der Dax nun zum Jahresende bei 3 660 Punkten gesehen, zum Ende vergangenen Jahres waren es noch knapp 4 000. Am Freitag notierte der deutsche Leitindex bei 2 636 Punkten und lag damit über acht Prozent tiefer als zu Jahresbeginn.

Irak-Krise und schwacher Dollar belasten

"Wir haben unsere Dax-Prognosen heruntergeschraubt, weil unter anderem die sich hinziehende Unsicherheit über das weitere Vorgehen in Irak auf der Psyche der Anleger und damit auf den Kursen lastet", sagte Dierk Schaffer, Aktienstratege bei der WGZ-Bank. Die WGZ-Bank senkte ihre Schätzung um knapp 20 Prozent auf 3 800 Punkte Ende 2003, zuvor war sie noch von einem Indexstand 4 700 Punkten ausgegangen. "Einige unserer Analysten haben auch ihre Gewinnprognosen für Unternehmen oder Sektoren nach unten revidiert", erklärte Schaffer die Prognosesenkung.

Neben der Unsicherheit im Zusammenhang mit einem möglichen Irakkrieg nennen die Aktienstrategen auch den unerwartet schwachen Dollar als Grund für die Reduzierung der Schätzungen. Der schwache Kurs belaste die Unternehmensgewinne. "Wir haben die Prognose gesenkt, weil wir davon ausgehen, dass die Gewinnschätzungen der Analysten auf Grund von Währungseffekten weiter sinken werden", sagte Matthias Joerss, Aktienstratege bei Sal. Oppenheim. Die Privatbank rechnet aktuell mit einem Dax-Stand Ende 2003 von 3 850 Punkten nach zuvor 4 150 Punkten.

Die Strategen von HSBC Trinkaus & Burkhardt haben aus ähnlichem Grund ihre Gewinnschätzungen für die Dax-Unternehmen gesenkt und sehen den fairen Wert des Index zum Jahresende bei 2 800 Punkten. Im Oktober vergangenen Jahres gingen sie noch von einem fairen Dax-Wert bei 3 350 Punkten aus. Der Euro notierte am Freitagmorgen bei 1,0797/01 Dollar, nachdem er am Mittwoch bei 1,0938 Dollar zeitweise auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren geklettert war. Vor allem exportorientierte Unternehmen aus Deutschland leiden unter der Dollarschwäche, da ihre Produkte im außereuropäischen Ausland teurer werden.

Hoffnung auf Erholung im zweiten Halbjahr

Keiner der befragten Aktienexperten erwartet, dass der Dax zum Jahresende unter dem derzeitigen Niveau liegen wird. Die Hoffnung konzentriert sich auf eine Erholung im zweiten Halbjahr. Viele Börsenexperten gehen davon aus, dass die meisten deutschen Blue Chips Luft nach oben haben, sollte der Irak-Konflikt gelöst sein.

So bleiben die Analysten der Helaba Trust zwar bei ihrer Jahresendprognose von 3 500 zum Ende des Jahres. Die Schätzungen zur Jahresmitte haben sie allerdings von 3 500 auf 3 200 zurück geschraubt. "Vor allem in den ersten Monaten des Jahres drückt die unsichere geopolitische Lage auf den Dax", begründete Markus Reinwand, Marktanalyst bei Helaba Trust, die Änderung. "In der zweiten Jahreshälfte kann es dann durchaus zu einer Erholung kommen, unter anderem weil Aktien niedrig bewertet sind", fügte er hinzu.

Ähnlich sieht es Stefan Steib, Leiter des Aktienresearchs der Landesbank Rheinland-Pfalz. Sei ein Krieg in Irak schnell vorbei, könne sich die Lage auf den Aktienmärkten vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich entspannen. Eine Prognoseänderung für den Dax schließt er dennoch nicht aus: "Solange der Konflikt in Irak nicht geklärt ist, bleiben Schätzungen schwierig. Im schlimmsten Fall dauert ein möglicher Krieg Monate und schlägt sich im steigenden Ölpreis und in einer Verschlechterung der konjunkturellen Lage nieder", sagte Steib.

Andere Aktienstrategen wie etwa Roland Ziegler von der ING BHF-Bank wollen die weitere Entwicklung in Irak erst einmal abwarten, bevor sie über eine Revision der Schätzungen nachdenken. Aus fundamentaler Sicht und auf Grundlage der günstigen Bewertung der Aktien geht Ziegler für das Gesamtjahr von einem positiven Szenario für den Dax aus. Aber er warnt: "Da der Irak-Konflikt momentan alles überschattet, sind Prognosen für das ganze Jahr schwierig. Denn welcher Anleger will sich jetzt schon positionieren?"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%