Nach den Explosionen in einer Geschäftsstraße: "El Shaab": Ort des Schreckens

Nach den Explosionen in einer Geschäftsstraße
"El Shaab": Ort des Schreckens

Das Bagdader Vorstadtviertel "El Schaab" (Das Volk) ist ein Ort des Schreckens. Nach schweren Explosionen am späten Vormittag irren Menschen mit verstörtem Blick zwischen ausgebrannten Autowracks und ausgerissenen Beleuchtungsmasten herum, um nach Toten und Verletzten zu suchen. Wer für das Leid verantwortlich ist, blieb den Menschen vor Ort verborgen.

HB/dpa BAGDAD. "Wir hörten die Detonation zweier Raketen", berichtet der Kfz-Werkstättenbesitzer Ali Suldani. Die Front seiner Werkstatt, in der er Autoauspuffe repariert, wurde von der Druckwelle ebenso weggesprengt wie die anderer Häuser und Geschäfte in dieser Zeile. "Wir waren alle bei der Arbeit, als es passierte", sagte er. Sein Mitarbeiter kam aber glücklicherweise mit Verletzungen davon. Auch Suldanis Bruder, der in der Werkstatt mitarbeitet, wurde verletzt.

"Überall lagen Tote und Verletzte, darunter viele Frauen und auch Kinder", berichtet sein Nachbar, der Busfahrer Chalid Mohammed. "Ich habe mich eben umgezogen, weil ich voller Blut war, nachdem ich Verletzte weggebracht hatte." Im Hintergrund heulen weiter Sirenen von Rettungswagen, die immer noch Verletzte abtransportierten.

Seit den ersten Luftangriffen auf die Fünf-Millionen-Stadt vor einer Woche hatte es dort keine Tragödie dieses Ausmaßes gegeben. Bisher wurden zwar schon hunderte Verletzte gezählt, die im Umkreis von getroffenen Zielen lebten. Aber Fehltreffer mit vielen Toten gab es bisher nicht. Jetzt beschuldigen irakische Regierungsstellen die Angreifer, keinen Unterschied zwischen militärischen und zivilen Zielen zu machen.

Der Augenschein in dem Viertel lässt aber keinen genauen Schluss darüber zu, was dort detoniert ist. Unbestreitbar gab es heftige Explosionen. In Fahrzeugwracks und Gebäuden sind Splittereinschläge zu erkennen. Die umliegenden Hauswände sind rußgeschwärzt, Fensterscheiben sind zu Bruch gegangen.

Keiner der Augenzeugen kann sich erklären, warum die zu diesem Zeitpunkt belebte Geschäftsstraße zum Ziel eines möglichen Angriffs wurde. "Hier rundum ist nichts Militärisches", meint Suldani. "Es ist eine große Dummheit, so etwas anzurichten", fügte er eher nachdenklich als wutentbrannt hinzu. Über Tod, Verletzung und Leid hinaus wurden hier Menschen auch in ihrer wirtschaftlichen Existenz getroffen. Suldanis Auspuff-Reparaturbetrieb wurde völlig zerstört, seine daran angeschlossene Wohnung schwer beschädigt. Suldani sagt: "Das ist alles, was ich habe."

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