Nach den Milzbrandfällen in Amerika werden Medizin-Vorräte angelegt – Europäische Länder sehen keine direkte Gefahr des Bio-Terrorismus
Regierungen in USA und Europa stellen Notfallpläne auf

Die US-Regierung will sich künftig stärker gegen Bioterror-Attacken wappnen. Nachdem bislang 13 Menschen mit Milzbranderregern in Kontakt gekommen sind, soll der Bestand an Medikamenten drastisch aufgestockt werden.

HB WASHINGTON/BRÜSSEL. Gesundheitsminister Tommy Thompson kündigte an, den Kongress in diesem Zusammenhang um ein Finanzpaket in Höhe von 1,5 Mrd. $ zu bitten. In Europa erwiesen sich bislang alle Milzbrandfälle als Falschmeldungen. Die EU setzte einen Expertenstab für Atom-, Bio- und Chemiewaffen ein, der international rund um die Uhr konsultiert werden kann.

In den USA geht das Gesundheitsministerium bei den Milzbrand-Fällen von einem terroristischen Hintergrund aus. Eine Verbindung zur Organisation des moslemischen Extremisten Osama bin Laden sei jedoch nicht zwingend, sagte Thompson: "Die Quelle könnte im Land sein." Möglicherweise stecke hinter den Briefen ein Nachahmer. Nach Angaben des FBI handelt es sich um terroristische "Trittbrettfahrer". Stünde bin Ladens Netzwerk dahinter, wären die Milzbrand-Bakterien eher "ins Lüftungssystem der betroffenen Unternehmen gelangt".

Ein großer Teil der beantragten 1,5 Mrd. $ sei für den Kauf von Antibiotika vorgesehen, sagte Thompson. Damit sollen im Notfall zwölf Millionen Menschen 60 Tage lang behandelt werden. Im Moment stehe Medizin für zwei Millionen Infizierte bereit.

Die europäischen Sicherheitsbehörden sind unterdessen mit einer Vielzahl von Trittbrettfahrern beschäftigt, die neben Deutschland vor allem in Belgien und den Niederlanden ihr Unwesen treiben. Doch bislang enthielt keiner der überprüften Briefe oder Substanzen Milzbranderreger.

Die zuständigen Behörden in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Norwegen und Dänemark erklärten übereinstimmend, es gebe keine Hinweise auf biologische Anschläge, man bereite sich aber darauf vor. Diese Maßnahmen konzentrieren sich auf die Aufklärung der Bevölkerung, Meldesystemen, der Vorbereitung von Impfungen in Notfällen sowie der Vorratshaltung von Antibiotika. In Italien hat die Regierung einen Notplan verabschiedet. Neben Vorbeugung geht es Rom in erster Linie darum, die besorgte Bevölkerung zu beruhigen. "Wir befürchten keinen bakteriologischen Krieg," versucht Gesundheitsminister Girolamo Sirchia die Wogen zu glätten. Kopenhagen, Helsinki, Oslo und Stockholm kündigten erhöhte Alarmbereitschaft an. Nach Angaben der schwedischen Sozialbehörde können rund 100 000 Bürger 30 Tage lang mit Medikamenten gegen Milzbrand behandelt werden. Eine allgemeine Impfung gegen Milzbrand sei derzeit nicht geplant, da das Risiko als gering eingeschätzt wird.

Frankreichs Regierung hält sich für vorbereitet, seitdem 1999 der "Plan Biotox" verabschiedet wurde. Dieses Vorsorge-Programm soll unter anderem auch terroristische Attacken mit biologischen und chemischen Kampfstoffen abwehren. Es seien ausreichend Antibiotika vorrätig, um eine Milzbrand-Welle behandeln zu können. Madrid gab eine Studie über Impfstoffe und Gegenmittel in Auftrag. Das Verteidigungsministerium aktivierte einen Notstandsplan. In den Niederlanden hatte die Regierung nach den Anschlägen von 11. September strengere Vorkehrungen zur Bekämpfung von Bio-Terrorismus getroffen. Gegen den Milzbrand-Erreger seien ausreichend Antibiotika vorhanden. Auch der britische staatliche Gesundheitsdienst NHS stellte vorsorglich große Mengen Antibiotika und Impfstoffe bereit.

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