Nach den Rekordergebnissen der vergangenen Jahre
Konkurrenz belastet Merck Pharma

Konkurrenz durch Nachahmermedikamente für sein Diabetes-Mittel Glucophage hat dem Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck im zweiten Quartal erwartungsgemäß einen deutlichen Rückgang beim operativen Ergebnis beschert.

Reuters DARMSTADT. An dem Geschäftsausblick für 2002 vom April, der von einem einstelligen Umsatzplus und einem operativen Ergebnisrückgang von bis zu einem Drittel ausgeht, halte das Unternehmen fest, teilte Merck am Dienstag in Darmstadt mit. Sollte jedoch der Kurs des Euro weiter zunehmen oder die Weltwirtschaft weiter absacken, müsse die Prognose womöglich noch korrigiert werden.

Um dem Ertragsrückgang so weit wie möglich gegenzusteuern, startete der am Umsatz gemessen viertgrößte deutsche Pharmakonzern ein Kostensenkungsprogramm. Dabei solle bis Jahresende die Beschäftigtenzahl leicht sinken, hieß es. Die Merck-Aktie legte im Handelsverlauf deutlich zu. Händler sagten, die Markterwartungen seien leicht übertroffen worden.

Operatives Ergebnis um 44 Prozent gesunken

Nach Merck-Angaben sank das operative Ergebnis im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 44 Prozent auf 142 Millionen Euro, was im Rahmen von Analystenschätzungen lag. Der Umsatz habe um 3,4 Prozent auf 1,882 Milliarden Euro abgenommen. "Die Rekordergebnisse des letzten Jahres verzerren die aktuellen Resultate", erklärte Konzernchef Bernhard Scheuble zu den Zahlen. Das zweite Quartal 2001 war nach Merck-Angaben das zweitbeste Quartal in der Firmengeschichte gewesen.

Auch wenn die Anbieter von Nachahmerprodukten in den USA die Merck-Umsätze mit dem Diabetes-Mittel Glucophage gedrückt hätten, erzielten die gesamten Produkte der Glucophage-Familie noch fast 50 Prozent der Neuverschreibungen in diesem Bereich. "Wir sind daher zuversichtlich, diese Herausforderung meistern zu können", erklärte der Konzernchef. Für die zweite Jahreshälfte 2002 erwarte Merck Umsatz- und Gewinnverbesserungen im Pharmabereich. Glucophage war bislang für Merck ein Hauptumsatzträger in der Pharmasparte.

Kostensenkungsprogramm gestartet

Angesichts der Ertragseinbußen startete Merck nach eigenen Angaben ein Kostensenkungsprogramm, das Umstrukturierungen sowie Investitions- und Personaleinsparungen vorsieht. Von der bereits begonnenen Umstrukturierung der Pharmaproduktion weltweit erhofft sich Merck jährliche Einsparungen von rund 50 Millionen Euro. Die Zahl der Beschäftigten soll weltweit um mehr als ein Prozent bis Jahresende sinken. Ein generelles Programm zum Personalabbau werde aber nicht aufgelegt, hieß es.

Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sanken im zweiten Quartal um elf Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. In wichtige strategische Projekte wie die Pharma-Pipeline, worunter der Bestand der in der Entwicklung befindlichen Arzneimittel gefasst wird, solle aber weiterhin nachhaltig investiert werden.

Ergebnis und Umsatz im Pharmabereich rückläufig

Im Pharmabereich ging nach Merck-Angaben im zweiten Quartal der Umsatz um neun Prozent auf 792 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis brach um 75 Prozent auf 41 Millionen Euro ein. Trotz eines starken Beitrags des eigenen Generika-Geschäfts sei es nicht gelungen, die fast vollständig ausgefallenen Umsätze mit Bristol-Myers Squibb (BMS) auszugleichen, hieß es. BMS ist der US-Vertriebspartner für Glucophage von Merck. Die Präparate der Glucophage-Familie verzeichneten im zweiten Quartal weltweit einen Umsatzrückgang von 92 Prozent auf 76 Millionen Euro. Der eigene Generika-Umsatz sei indes um 30 Prozent auf 295 Millionen Euro geklettert.

Chemiebereich im Auschwung

Im Chemiebereich erhöhten sich die Umsätze um 7,8 Prozent auf 464 Millionen Euro und das operative Ergebnis um 16 Prozent auf 76 Millionen Euro. Merck könne zwar die ersten Anzeichen einer Erholung für die Chemie "insgesamt noch nicht bestätigen", bei Flüssigkristallen sei dies aber bereits spürbar, hieß es. Die Vorbereitungen für den US-Börsengang der Labordistributionstochter VWR International gingen voran, teilte Merck ferner mit. Die Lage an den Börsen sei aber schwierig.

"Dass der Gewinn von Merck zurückgehen würde, war bereits vor der Veröffentlichung im Markt gewesen", kommentierte ein Händler das Quartalsergebnis. Ein anderer Händler sagte, die Zahlen seien leicht besser gewesen als dies der Markt erwartet habe. "Nur der Ausblick ist ein wenig gedämpfter ausgefallen", merkte er an.

Dazu komme, dass der Markt derzeit bereits schon dann positiv reagiere, wenn Unternehmen die erwarteten Zahlen auch tatsächlich vorweisen würden. Die im MDax gelistete Merck-Aktie lag gegen einen schwächeren Markttrend mit fünf Prozent im Plus bei 21 Euro.

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