Nach den Schließungen der Activest-Produkte wollen andere Gesellschaften nicht nachziehen
Branche glaubt weiter an AS-Fonds

Die Altersvorsorge-Fonds als Produktgruppe werden weiterleben. Das glauben die Anbieter. Manche Branchenbeobachter machen allerdings aus ihrer Skepsis keinen Hehl.

FRANKFURT/M. Stefan Liebl, Sprecher der Activest, wählt deutliche Worte: "Die AS-Fonds bekommen auf keinen Fall mehr die staatliche Förderung." Er ist desillusioniert. Mit Volumina von 5 und 4 Mill. Euro seien die beiden Altersvorsorge-Fonds der Hypo-Vereinsbank-Tochter auf Dauer nicht rentabel - das "Aus" für den Activest Zukunftsvorsorge 2 und den Activest Zukunftsvorsorge 3. Ursprünglich von der Fondsbranche als Einstieg in eine staatlich geförderte Altersvorsorge gedacht, schließen nun die ersten AS-Fonds.

Seit dem Inkrafttreten des Dritten Finanzmarktförderungsgesetz 1998 sind die Produkte aufgelegt worden. Nach der Schließung der Activest-Produkte gibt es noch 44. Die meisten Fondsgesellschaften halten an ihnen fest - obwohl sie im Gegensatz zu den Riester-Produkten nicht vom Gesetzgeber begünstigt werden. Zwar geht der Absatz von AS-Fonds zurück, doch viele von ihnen haben große Volumina.

AS-Fonds sind eigentlich Mischfonds, die vorwiegend in Aktien und Renten investieren. Dabei gibt es gesetzliche Anlagegrenzen: So dürfen die Produkte maximal 75% ihrer Gelder in Aktien investieren, Währungsrisiken sind auf 30% des Anlagevermögens begrenzt. Dass dieses Konzept einige Anleger begeistert hat, zeigt die Statistik. So kommt der Deka AS-PrivatVorsorge der Fondsgesellschaft der Sparkassenorganisation Deka auf 239 Mill. Euro Vermögen, der DWS Vorsorge AS (Dynamik) der Deutsche Bank-Tochter DWS auf 225 Mill. Euro. Die vier AS-Fonds des Deutschen Investment-Trust (DIT) brachten es zusammen per Ende August auf 510,7 Mill. Euro - eine Schließungsgefahr besteht da keineswegs. Denn um profitabel betrieben werden zu können, braucht ein Fonds laut Experten nur ein Mindestvolumen von 15 Mill. Euro. "Eine Einstellung von AS-Fonds steht bei uns nicht zur Diskussion", sagt Heinrich Durstewitz vom DIT. Zwar gebe es börsenbedingt einen Volumensrückgang, doch seine Fondsgesellschaft halte an dem Konzept fest.

Die Commerzbank-Tochter Adig hat neben dem 183 Mill. Euro großen AS-AktivDynamik noch vier kleinere AS-Fonds im Angebot, von denen keiner auf mehr als 6 Mill. Euro Volumen kommt. Dennoch ist Sprecher Klaus-Karl Becker optimistisch für die Produkte. Diese hätten zwar teilweise einen "schweren Anlauf", Zusammenlegungen oder Schließungen seien aber nicht geplant. AS-Fonds und Riester-Rentenprodukte ergänzten sich. Erstere seien mit ihren größeren Anlagefreiheiten seien für den etwas offensiver ausgerichteten Anleger die Alternative zu Riester-Produkten.

Auch Union Investment, die Fondsgesellschaft des Genossenschaftsbankensektors, will ihre vier AS-Fonds bestehen lassen. Der größte ist der GenoAS 1 mit einem Volumen von 196 Mill.Euro. Der Fonds habe trotz der Aktienkrise leichte Zuflüsse, die wohl durch Sparpläne bedingt seien, sagt Rolf Drees von Union Investment. Die anderen drei hätten dasselbe Portfolio wie der GenoAS 1, sie seien lediglich für Vertriebspartner unter anderen Namen aufgelegt. Und so könnten sich diese Fonds auch niedrigere Volumina leisten, denn die Fixkosten schlagen weniger hart durch. "Die langfristige Perspektive von AS-Fonds ist jedoch begrenzt. Sie sind zwischen Aktien- und Rentenfonds eingeklemmt", sagt Drees.

Noch kritischer sieht Kai Wiecking, Analyst bei dem Fondsresearchunternehmen Morningstar, die Lage. "Bei der Auflegung von AS-Fonds hatten die Fondsgesellschaften Steuervorteile im Hinterkopf", sagt er. Da sich diese nun nicht realisiert hätten, seien einige der Produkte gefährdet - insbesondere die mit niedrigen Volumina. Der Ertragsdruck bei den Fondsfirmen sorge für die Schließung unrentabler Produkte. In Deutschland würden rund 6 000 Fonds angeboten, dadurch entstehe ein "enormer Konsolidierungszwang".

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