Nach den Terror-Anschlägen in den USA muss die Assekuranz neu kalkulieren
Analyse: Nicht alle Risiken lassen sich versichern

Das Verhalten der Versicherer gegenüber den Luftfahrtunternehmen scheint einige Vorurteile über die Assekuranz zu bestätigen: Wenn man eine Versicherung wirklich braucht, dann ist sie nicht da. Die Versicherungen hatten zum Wochenende den Fluggesellschaften den Haftpflichtschutz für Drittschäden im Fall von Krieg und Terror gekündigt. Und ohne diesen Schutz können die Flieger nicht abheben. Die Versicherer, so der Verdacht auch von Finanzminister Hans Eichel, ziehen sich bequem zurück, und überlassen dem Staat die Probleme.

HB DÜSSELDORF. Doch diese erste Analyse greift zu kurz: Auch für die Versicherungswirtschaft ist die Welt seit dem 11. September eine andere geworden. Zuvor wurde in der Luftfahrthaftpflicht als schlimmster Fall angenommen, dass zwei Passagiermaschinen über Manhattan zusammenprallen und abstürzen. Dieses Schadensereignis konnte getrost mit einer geringen Wahrscheinlichkeit angesetzt werden. Schließlich ging es hier noch um einen Unfall.

Doch seit den bewusst herbeigeführten Abstürzen müssen die Versicherungsunternehmen ganz anders rechnen. Schließlich ist zu befürchten, dass im Zuge einer Eskalation der Lage weitere Selbstmordattentäter Linienmaschinen kapern und zum Absturz bringen werden. Hier fragt sich die Branche ganz nüchtern: Wer kann dieses Risiko tragen? Zu welchem Preis ist dieses Risiko überhaupt versicherbar? Fakt ist: Das Risiko für den Eintritt solcher Schäden ist größer geworden. Es gibt drei mögliche Träger für dieses erhöhte Risiko: Die Luftfahrtunternehmen selbst, die Versicherungsbranche oder der Staat.

Die Airlines fallen wohl von vornherein aus, da sie nicht über die Mittel verfügen, auch nur einen Teil eines möglichen Schadens zu tragen, den ein Flugzeug im Fall eines Terrorüberfalls anrichten kann. Zudem benötigen sie allein aus gesetzlichen Gründen Haftpflichtschutz. Andernfalls dürften ihre Maschinen zum Beispiel gar nicht über Hongkong fliegen. Die Anbieter von Lufthaftpflichtpolicen sind durch die bereits fälligen Schadenszahlungen finanziell unter Druck geraten. Es ist daher für ein Einzelunternehmen rational, eine Deckung für das Risiko für Folgeschäden einer terroristischen Flugzeugentführung abzulehnen, wenn der Eintritt des Schadensfalls das Unternehmen ruinieren würde. Auch der betroffenen Fluggesellschaft wäre nicht geholfen, wenn ihr Versicherer im Schadensfall Pleite machte. Und niemand kann ein privates Unternehmen zwingen, eine Police anzubieten, die mit Sicherheit Verluste bringt. Versicherer stehen schließlich unter Ertragsdruck durch ihre Aktionäre. Überdies übernehmen Gesellschaften nie alle Risiken. Der Kölner Kneipenbesitzer in der Altstadt etwa bekommt weder für Geld noch für gute Worte eine Police gegen Hochwasserschäden.

Der Ausweg aus dem Haftungsdilemma der Fluggesellschaften wird eine Mischlösung sein: Die Versicherer tragen das Risiko, das sie wirtschaftlich übernehmen können. Für den Restbetrag bleibt eine Bürgschaft des Staates als Ausweg. Auch das ist nicht neu: Vor einigen Jahren richtete die britische Regierung einen Sicherungspool ein, als Sachversicherer keinen Schutz vor Terrorattacken wegen der IRA-Anschläge in London geben wollten.

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