nach den Terroranschlägen
"Helden" an Bord bereiten Airlines Probleme

Die Passagiere auf der American Airlines - Maschine von Chicago nach Los Angeles fackelten nicht lange. Als ein Passagier aufsprang, nach vorn rannte, an die Cockpit-Tür hämmerte und etwas von Hochhäusern schrie, sprangen mehrere auf, rissen den Mann zu Boden und hielten ihn fest, bis das Flugzeug sicher landete.

dpa WASHINGTON. Seit den Terroranschlägen am 11. September, als Terroristen mehrere US-Flugzeuge kaperten und ins Verderben lenkten, lehnen sich viele Passagiere nicht mehr dösend in ihren Flugszeugsitzen zurück.

"Vor dem 11. September wäre ich bei einer Entführung sitzen geblieben und hätte abgewartet. Jetzt würde ich aufspringen und was tun. Wenn die Entführer uns eh umbringen wollen, was habe ich dann zu verlieren?", meint Tom Miller nach einem Transatlantikflug zurück in Washington. "Normalerweise gucken alle weg, wenn sie Angst haben. Aber plötzlich gibt es an Bord Gemeinschaftsgeist", sagt Frank Reede nach der Rückkehr aus Florida. "Klar würde ich was tun."

In den US-Medien äußerten sich Duzende von Passagieren in den vergangenen Wochen ähnlich. Bei dem Vorfall in der American Airlines - Maschine vergangene Woche handelte es sich "nur" um einen geistig Verwirrten, der eine vermeintliche Entführung verhindern wollte. Dennoch, die Passagiere zeigten deutlich, dass sie nicht mehr tatenlos bleiben wollen.

Kurs auf Washington

Viele erinnern sich an die Passagiere von United Air Lines - Flug 93. Es war eine der vier Maschinen, die am 11. September in den USA entführt wurden. Die Maschine auf dem Weg von Newark nach San Francisco drehte über Pennsylvania plötzlich ab und nahm Kurs auf Washington. Mehrere Passagiere riefen vom Handy aus entsetzt ihre Familien an. Als sie hörten, dass zwei Flugzeuge bereits in das World Trade Center in New York gerast waren, kündigten sie eine gemeinsame Aktion an. Was genau passierte, weiß niemand. Die Maschine stürzte jedoch auf einem Feld in Pennsylvania ab, die einzige, die ihr Ziel offensichtlich nicht erreichte.

Fluglinien und die Flugbegleiter sehen das neue Selbstbewusstsein ihrer Passagiere mit Skepsis. "Wenn die Leute nun überreagieren, wenn jemand nur verdächtig aussieht oder sich bewegt, dass könnte äußerst gefährlich werden", sagte Dawn Deeks, Sprecherin des Verbandes der Flugbegleiter, der 50 000 Stewardessen und Stewards von 26 Fluggesellschaften vertritt. "Ich hoffe sehr, dass die Passagiere in Erinnerung behalten, dass die Flugbegleiter die Sicherheitsexperten sind und dass auf sie gehört werden muss."

"Wir schätzen die Hilfe"

"Wir schätzen die Hilfe, die Passagiere anbieten, wenn eine potenziell gefährliche Situation an Bord entsteht - aber bitte immer unter der Anleitung der Flugbegleiter", sagt David Castelveter, Sprecher der US Air in Arlington. Die Fluggesellschaften sind nicht bereit, zu sagen, ob und wie die Schulung von Flugbegleitern nach dem 11. September geändert wurde. "Wir reden nicht öffentlich über das Sicherheitstraining", sagt der Sprecher von Continental, Rahsaan Johnson. Gleiches gilt für American und Delta Airlines. "Wir setzen sämtliche Empfehlungen und Vorgaben der Flugsicherheitsbehörde sofort um", sagt American-Sprecher Todd Burke.

Da liegt nach Ansicht der Flugbegleiter einiges im Argen. "Unser Entführungstraining basiert auf einem Modell aus dem 70er Jahren", sagt Deeks. "Die Fluggesellschaften haben seit dem 11. September praktisch nichts getan, um uns neu anzuleiten. Wir versuchen jetzt, die Regierung dazu zu bringen, sie zu neuem Sicherheitstraining zu zwingen." Viele Stewardessen hätten unterdessen privat Kurse in Selbstverteidigung belegt.

Zumindest ein US-Pilot hat seine Passagiere kurz nach den Terroranschlägen explizit aufgefordert, aktiv zu werden, sollte jemand aufspringen und "Entführung!" schreien. Mehrere Passagiere des United Airlines Flugs 564 von Denver nach Washington berichteten später erfreut über die Initiative. Die Flugsicherheitsbehörde (FAA) war weniger begeistert. Andere Passagiere könnten sich verunsichert führen, meint Sprecher Les Dorr. Was die FAA als Reaktion auf die Terroranschläge aber an neuen Sicherheitshinweisen empfiehlt, bleibt Verschlusssache. "Unser Rat an Passagiere war bislang: bleibt ruhig und bleibt sitzen. Aber die Dinge liegen natürlich jetzt anders", sagt Dorr lediglich.

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