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«Nach den Utopien»: Eine Betrachtung der Gegenwartsliteratur

Hamburg (dpa) - Als nach den Ereignissen von 1989 der Publizist Joachim Fest das «Ende des utopischen Zeitalters» konstatierte, hat er damit nur wenige Gegenstimmen hervorgerufen. Hat doch der Zusammenbruch des Kommunismus die Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts mit seinen beiden Weltkriegen, den Gulags und den Konzentrationslagern noch einmal in Erinnerung gerufen und den Glauben an eine goldene Zukunft schwinden lassen.

Hamburg (dpa) - Als nach den Ereignissen von 1989 der Publizist Joachim Fest das «Ende des utopischen Zeitalters» konstatierte, hat er damit nur wenige Gegenstimmen hervorgerufen. Hat doch der Zusammenbruch des Kommunismus die Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts mit seinen beiden Weltkriegen, den Gulags und den Konzentrationslagern noch einmal in Erinnerung gerufen und den Glauben an eine goldene Zukunft schwinden lassen.

Neuerdings wagen aber wieder einige Autoren, Utopien ins Gespräch zu bringen. Diese Entwicklung spiegelt sich dem Literaturkritiker Helmut Böttiger zufolge auch in der deutschen Gegenwartsliteratur: «Nach dem Ende der DDR war es im Osten klar, dass der Begriff "Utopie" erst einmal ausgedient hatte, im Westen, unter anderen Vorzeichen, ebenso.» Es sei aber, so Böttiger weiter, hier wie dort ein Neuansatz festzustellen, wobei unter der Hand neue Formen dessen entstehen könnten, was man bisher «Utopie» genannt habe.

Wie diese neuen Formen beschaffen sind, führt Böttiger in seinem Band «Nach den Utopien» aus, in dem er zeitgenössische deutschsprachige Autoren von Günter Grass bis Judith Hermann porträtiert. Die Auflösung des bürgerlichen Ichs würde, schreibt Böttiger dort, von den Schriftstellern auf die unterschiedlichste Weise reflektiert: «Das Zentrum ist leer, und an den Rändern finden ungeordnete, lustvolle und spannungsgeladene Bewegungen statt. Im Wissen um die Leere findet sich das Ich auf unvorgesehene Weise wieder.» Dieses neu entstehende Ich nennt der Autor eine «anarchische Subjektivität».

Helmut Böttiger

Nach den Utopien

Paul Zsolnay Verlag, Wien

310 S. Euro 24,90

Isbn 3-552-05301-8

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