Nach der Anschlagserie
Fischer: 5 vor 12 im Nahost-Friedensprozess

Nach den Terror-Anschlägen in den USA steht der Friedensprozess im Nahen Osten Bundesaußenminister Joschka Fischer zugfolge "vor seiner allerletzten Chance". Die Situation im Nahen Osten sei "sehr, sehr ernst", sagte Fischer am Mittwoch am Rande der Krisensitzung der EU-Außenminister in Brüssel.

Reuters DSCHENIN. Es sei an der Zeit für weitsichtige Entscheidungen, wenn Israel und die Palästinenser die Chance auf eine Waffenruhe nutzen wollten. Dies habe er Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und Israels Außenminister Schimon Peres gesagt. In der Nacht zuvor war die israelische Armee vorübergehend mit Panzern in die palästinensisch-verwaltete Stadt Dschenin eingerückt. Dabei wurden bei Schusswechseln in dem Gebiet nach palästinensischen Angaben mindestens sieben Menschen getötet.

Nach den Terroranschlägen in den USA liegen die Bemühungen um eine Feuerpause im Nahen Osten vorerst auf Eis. Peres sagte, die Palästinenser sollten die Anschläge in den USA zum Anlass nehmen, gegen moslemische Extremisten vorzugehen. Nach Angaben des palästinensisches Kabinettsministers Nabil Schaath findet das geplante Treffen zwischen Arafat und Peres zunächst nicht statt. Es gebe bisher keine Übereinstimmung über Ort und Zeit des Treffens. Wegen der Anschläge in den USA verschob Arafat seinen für Mittwoch geplanten Besuch in Syrien.

Am Dienstag waren die USA von einer Serie von beispiellosen Anschlägen erschüttert worden. Zwei entführte Passagierflugzeuge rasten in das World Trade Center in New York und brachten es zum Einsturz. Eine weitere entführte Maschine stürzte auf das Verteidigungsministerium in Washington, eine andere stürzte südöstlich von Pittsburgh ab. Die Behörden rechnen mit Tausenden von Toten. Die radikal-islamischen Palästinensergruppen Hamas, DFLP und Islamischer Dschihad hatten erklärt, sie hätten nichts mit den Anschlägen zu tun.

Der Arafat-Berater, Nabil Abu Rdainah, warf Israel vor, die internationale Lage nach den Anschlägen in den USA auszunutzen, "um seinen Krieg gegen die Palästinenser-Gebiete zu eskalieren". Peres sagte im israelischen Rundfunk, die Palästinenser müssten erklären, dass sie "vollständig gegen den Terror und dessen Drahtzieher" seien. Arafat hat die Anschläge in New York und Washington verurteilt und den USA sein Beileid ausgesprochen.

Die Panzer seien wieder aus den Palästinenser-Gebieten abgezogen, teilte die israelische Armee später am Mittwoch mit. Mehrere Personen seien festgenommen worden, die verdächtigt würden, "in terroristische Aktivitäten gegen Israel" verwickelt zu sein. Nach Angaben von Krankenhauspersonal wurden ein neunjähriges Mädchen, zwei bewaffnete Palästinenser, zwei palästinensische Sicherheitskräfte, ein von Israel gesuchter militanter Islamist und ein weiterer Palästinenser getötet. Bereits am Dienstag waren im Zusammenhang mit dem Vorrücken der israelischen Armee zwei Palästinenser getötet worden. An beiden Tagen wurden den Angaben zufolge mehr als 80 Menschen verletzt, zwölf von ihnen schwer.

Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, drei der in Dschenin Getöteten gehörten der radikalen Gruppe Islamischer Dschihad an. Israel macht die Gruppe für mehrere Selbstmordattentate und Autobomben verantwortlich. Die Stadt Dschenin war nach israelischen Angaben Ausgangspunkt von mindestens sechs Selbstmordanschlägen radikaler Palästinenser seit Beginn der Unruhen in den Palästinenser-Gebieten vor knapp einem Jahr. Im südlichen Gaza-Streifen bei Chan Junis beschossen israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben ein Auto. Dabei sei ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt worden.

Bei dem seit Ende September vergangenen Jahres anhaltenden Aufstand gegen die israelische Besatzung sind bislang mehr als 720 Menschen ums Leben gekommen.

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