Nach der Aufsichtsratssitzung
Ringier steht vor dem Einstieg bei Springer

Im Ringen um das 40-prozentige Aktienpaket des Medienunternehmers Leo Kirch am Axel Springer Verlag sind die Chancen für einen Einstieg des Schweizer Ringier-Verlages gestiegen.

dpa MÜNCHEN/BERLIN. Wie am Freitag aus Branchenkreisen verlautete, habe sich im Aufsichtsrat des Axel Springer Verlages eine "deutlich positive Richtung" abgezeichnet. Das Kontrollgremium des größten europäischen Zeitungshauses habe "sehr konstruktiv" zu einem möglichen Ringier - Einstieg diskutiert. Eine Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.

Unterdessen hat sich der Milliardenpoker um das Herzstück der insolventen Kirch-Gruppe, die Kirch Media, nach eigener Einschätzung des Unternehmens gelohnt. "Die Angebote entsprechen voll unseren Erwartungen", sagte ein Sprecher der Kirch Media am Freitag in München. Zu den Namen der Bieter und der Höhe der Angebote wollte er sich nicht äußern. Offiziell war das Bieterverfahren für die Kirch Media am Donnerstagabend zu Ende gegangen. Das deutsche Verlagstrio Springer, Spiegel und Bauer mit der Hypo-Vereinsbank hat nach Informationen aus Branchenkreisen bis dahin kein neues Angebot gemacht.

Die endgültige Entscheidung über den Käufer der KirchMedia soll nun in der ersten Oktoberhälfte fallen. Ursprünglich sollte die Versteigerung schon Ende August oder Anfang September abgeschlossen werden, hatte sich aber mehrmals verzögert. Die Kirch Media mit dem Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 und dem Filmrechtehandel war die wichtigste Säule im Kirch-Konzern. Im April hatte sie als erste Kirch-Gesellschaft Insolvenzantrag gestellt.

Die neue Geschäftsführung will die Kirch Media nach Möglichkeit als Ganzes verkaufen. Sollte es aber zu einer Zerschlagung kommen, will das Management der Kirch Sport AG um den früheren Nationalspieler Günter Netzer den Sporthandel angeblich mitsamt der Rechte für die Fußball-Weltmeisterschaft kaufen. Als Finanzier für das angestrebte Management-Buy-Out haben sie nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) den ehemaligen adidas-Chef Robert Louis- Dreyfus gewonnen. Sein Angebot solle rund 200 Millionen Euro betragen.

Der Springer-Aufsichtsrat lehnte dem Vernehmen nach wie erwartet den Antrag Kirchs für einen Verkauf seines Aktienpakets an den Essener Medienkonzern WAZ ab. Mehrheitsaktionärin Friede Spinger hatte sich mehrfach entschieden gegen einen WAZ-Einstieg ausgesprochen. Ringier und Springer hatten bisher lediglich Gespräche bestätigt, aber keine Details genannt.

Ein zweiter Antrag Kirchs zum Verkauf seiner Anteile an Ringier sei vertagt worden, hieß es weiter. Hintergrund für die verschobene Entscheidung seien die noch anhaltenden Gespräche zwischen Kirch und Ringier. Kirch war bereits am Donnerstag vor dem Landgericht München mit dem Versuch gescheitert, seine Anteile gegen den Willen des Axel Springer Verlages zu verkaufen. Er hat noch bis 20. September Zeit für den Verkauf seines Aktien-Pakets.

Der einstige Firmenchef Leo Kirch kämpft trotz der juristischen Niederlage weiter um den Verkauf seines Aktienpakets. "Er wird bis zum Schluss alles versuchen", sagte ein Kirch-Vertrauter. Wenn ihm der Verkauf zu einem Preis von deutlich mehr als 730 Millionen Euro gelingt, könne der 75-Jährige mit einer Millionenprovision seiner Gläubigerbanken rechnen. Ansonsten könnte das Paket nächste Woche der Deutschen Bank zufallen.

Das Quartett aus den Verlagen Springer, Bauer und Spiegel zusammen mit der Hypo-Vereinsbank hatte sich mit einem Angebot von 1,4 Milliarden Euro zunächst nicht gegen die Offerten anderer Bieter durchsetzen können. In die Endrunde war ein Konsortium des US- Medienunternehmers Haim Saban mit dem französischen Medienkonzern TF1 mit dem Spitzengebot von angeblich 2,6 Milliarden Euro eingezogen. Altgesellschafter um die Investmentbank Lehmann Brothers sollen 2,5 Milliarden Euro, ein Duo aus Commerzbank und dem US-Filmstudio Columbia 2,3 Milliarden Euro geboten haben.

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