Nach der Börsen-Baisse
Anleihen rücken Aktien zu Leibe

Der Einbruch an den Börsen lenkt die Aufmerksamkeit auf alternative Anlageformen. Nach Einschätzung der deutschen Manager gewinnen vor allem sichere Anleihen solventer Staaten an Bedeutung: Zwei Drittel der im Handelsblatt Business-Monitor Befragten glauben an eine höhere Attraktivität der Bonds.

som DÜSSELDORF. Mit weitem Abstand dahinter folgen mit 26 % das Sparbuch und mit 13 % Gold, nachdem die Feinunze gut 20 Jahre lang an Wert verloren, in den vergangenen zwei Jahren allerdings um rund 25 % zugelegt hat. Seit Anfang 2001 verloren deutsche Standard-Aktien mehr als 60 %. Praktisch keine Rolle im Hinblick auf eine künftig größere Attraktivität spielen für die Unternehmensmanager indessen riskante Anleihen oder Immobilien- und Rentenfonds.

Ursache für den immensen Bedeutungsgewinn sicherer Anlagen sind neben der anhaltenden Börsenbaisse die Neuregelung der Spekulationssteuer durch die rot-grüne Bundesregierung. Nach dem ursprünglichen Vorhaben, das derzeit allerdings in Teilen wieder in Frage gestellt ist, sollen die Spekulationsfrist abgeschafft und Aktiengewinne generell nach dem jeweiligen Einkommensteuersatz versteuert werden.

Nach Einschätzung der Führungskräfte wird dies eine neue Belastung für die Aktienmärkte in Deutschland werden. Vier Fünftel (83 %) der Unternehmenslenker gehen davon aus, dass durch die neue Regelung potenzielle Aktienkäufer "sehr stark" oder zumindest "eher stark" davon abgeschreckt werden, Geld in Aktien anzulegen. Nur 17 % sehen diese Gefahr als gering oder gar nicht gegeben an. Erwartungsgemäß blicken die Top-Manager aus den großen und meist aktiennotierten Konzernen den Folgen der rot-grünen Reformvorhaben mit großer Sorge entgegen. Doch auch kleine und meist nicht börsennotierte Firmen fürchten mehrheitlich (82 %) negative Konsequenzen.

Dementsprechend rechnen die meisten Top-Manager nach Einführung der geplanten Spekulationssteuer-Vorhaben mit negativen Konsequenzen für den Deutschen Aktienindex (Dax). Nur jede siebte Führungskraft schließt Auswirkungen aus. Die Mehrheit (54 %) der Befragten vermutet hingegen, der Index werde um 5 % bis 20 % beeinträchtigt; weitere 10 % der Manager prophezeien sogar Einbrüche um mehr als 20 %. Auch hier äußeren sich die Führungskräfte aus Großunternehmen etwas skeptischer als andere.

Die Neuregelung der rot-grünen Regierung wird nach diesen Einschätzungen die Abwärtsentwicklung an den Börsen noch vertiefen, die bereits jetzt dazu führt, dass junge, innovative Unternehmen in Deutschland kaum eine Chance erhalten, sich durch einen Börsengang Kapital zu beschaffen. Diese fatale Situation wird nach Ansicht einer Mehrheit der Top-Manager lange anhalten: 41 % rechnen mit einer Dauer von etwa ein bis zwei Jahren, 31 % mit zwei bis fünf Jahren, und 7 % meinen, diese Zeit könnte noch länger dauern. Nur ein Fünftel nimmt an, dass der Engpass für ein Going Public in den nächsten vier bis zwölf Monaten beseitigt ist.

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