Nach der Euro-Umstellung fällt tonnenweise Geldmüll an – Alte DM-Banknoten werden verbrannt, die Münzen eingeschmolzen
Der letzte Weg führt in die Flammen

Die Deutsche Mark erhält eine Feuerbestattung: Mehr als zwei Drittel der alten Banknoten, die am 1. Januar 2002 ihre Gültigkeit verlieren, werden zusammen mit Haus- und Industriemüll verbrannt, DM - und Pfennig-Münzen bis auf ein paar Sammlerstücke eingeschmolzen. Insgesamt soll es zwei Jahre dauern, bis das ganze Geld entsorgt ist.

26.4.2001. DÜSSELDORF. Noch sind Banknoten im Wert von 280 Mrd. DM im Umlauf. Übereinander gestapelt würden sie einen Turm von 340 Kilometer Höhe ergeben. Außerdem rollen 28 Milliarden alte Münzen auf die Bundesbank zu: 13 000 LKW-Ladungen mit einem Gesamtgewicht von 98 500 Tonnen. Das alte Papiergeld wird von den Landeszentralbanken auf bundesweit 61 Müllverbrennungsanlagen (MVA) verteilt. Vor allem kleinere Anlagen werden dadurch Probleme bekommen, vermuten Branchenexperten. Denn Geld hat den gleichen Brennwert wie Braunkohle. Leicht könnte es in den Kesseln der Kraftwerke zu heiß werden: "Wir müssen gut durchmischen", sagt Andreas Fries, Geschäftsführer der MVA Weißweiler bei Aachen. "Eine Schaufel Banknoten, eine Schaufel Frischmüll." Aber die Müllwerker sind exotisches Material gewöhnt. In Weißweiler landet regelmäßig Abfall vom Zoll. Der Geschäftsführer der MVA Düsseldorf, Hennig Frege, kennt "kritisches" Material: "Geschmuggelte Zigaretten und beschlagnahmte Ozelot-Mäntel."

Genauso wie das Schmuggelgut werden auch die Banknoten ankommen - unter strengster Bewachung. Bundesbank-Mitarbeiter werden durch einen Extraschacht prüfen, ob das Altgeld tatsächlich verbrennt. Bei Temperaturen von 800 bis 1 000 Grad wird von der stolzen Währung der Bundesrepublik nur Asche übrig bleiben. Mit der Abwärme beheizt MVA-Chef Frege dann ungerührt die Landeshauptstadt.

Ab 1. September beginnen die Landeszentralbanken, DM-Scheine von Kreditinstituten in ihren Bezirken einzusammeln. Dann schreddern sie die Banknoten in 1,5 mal 6 Millimeter kleine Schnipsel, der blaue Hunderter zerfällt akkurat in 800 Teile. Einen kleinen Teil des Geldmülls werden Papier- und Pappehersteller kaufen. Doch Geld taugt nach einer Untersuchung der Bayerischen Zentralbank nur zur Herstellung von Spezialpapieren: Es enthält Baumwolle und ist "nassfest", löst sich also beim Kochen in der Papierfabrik nicht auf. Auch die Idee, die DM zu Biomüll zu kompostieren, mussten die Experten verwerfen: Die Farben im Aufdruck sind giftig.

Aus Banknoten entstehen Ziegel

Heiko Schnüttgen, Chef der Entsorgungsfirma ILA aus Korschenbroich bei Neuss, ging mit seiner Geschäftsidee pleite: Er wollte aus gehäckselten DM-Banknoten Ziegel brennen, aber die wollte so recht niemand haben. Vielleicht ist die Aktion des Münsteraner Künstlers Ruppe Kosellek viel versprechend: Er schweißt 10-DM-Scheine in Folie und verkauft sie für 20 DM, um den Wert der Mark zu steigern. Bisher hat er 260 Noten "deflationiert".

Technisch wären weitere Entsorgungskonzepte denkbar. Logistisch machbar ist nur die Verbrennung: "Zur Euro-Umstellung rechnen wir mit mehr als dreimal so viel, wie wir sonst entsorgen müssen", sagt Thomas Szewzyk, Projektleiter bei der Bundesbank. "Diese Spitzen fangen wir nur mit der thermischen Verwertung auf." Jedes Jahr sortiert die Bundesbank 800 t Banknoten aus, die beschrieben, verschmutzt oder zerrissen sind. Hingegen wäre es Verschwendung, die Münzen einfach zu vernichten: Hartgeld ist ein wertvoller Rohstoff. Pfennige bestehen aus Stahl mit Kupferauflage, Markstücke aus einer Kupfer-Nickel-Legierung. Für Nickel bekommt man rund 6 000 $ pro Tonne.

Weil es technisch aufwändig ist, Legierungen in ihre Bestandteile zu trennen, sortiert die für die Münzverwertung zuständige Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg nach Sorten: Groschen zu Groschen, Mark zu Mark. "Das ist extrem wichtig", sagt Bruno Koschwanez, Direktor der Bundesschuldenverwaltung. Die Landeszentralbanken schreddern und verbiegen Münzen mit einem Nennwert von über 50 Pf., anschließend lässt Koschwanez den Schrott von der Frankfurter Firma Vebeg GmbH abholen "Da kann man alles draus machen", schwärmt Vebeg-Chef Uwe Schade. "Die kleineren Werte gehen in die Verhüttung, werden zu Roheisen gemacht. ."

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