Nach der Gefängnisrevolte
Brasilien sagt der Mafia den Kampf an

dpa SAO PAULO. Nach der größten Gefängnisrevolte Lateinamerikas mit mindestens 17 Toten haben die Behörden in Brasilien der mächtigen Zuchthaus-Mafia den Kampf angesagt. Der Gouverneur des betroffenen Bundeslandes Sao Paulo, Geraldo Alckmin, kündigte am Montagabend (Ortszeit) schärfere Besucherkontrollen sowie eine Isolierung der Chefs der vom Inneren der Anstalten aus agierenden "Partei des Verbrechens" (PCC) an. Dazu solle ein Sonderfonds von umgerechnet etwa 38 Mill. Mark sofort freigemacht werden.



Die Revolten von fast 30 000 Häftlingen in 29 Anstalten Sao Paulos waren am Montag nach rund 30 Stunden ohne Zugeständnisse der Behörden zu Ende gegangen. Die Lage sei unter Kontrolle, teilte das Sicherheitsministerium Sao Paulos mit. Alle Geiseln seien frei. Zur Identität der Toten wurde zunächst nichts bekannt. Unter den 40 Verletzten ist ein dreijähriges Mädchen. Nach amtlichen Angaben hielten die Meuterer zeitweise mehr als 10 000 Menschen in ihrer Gewalt - vor allem Frauen von Insassen, 1 700 Kinder und 200 Wachmänner.



Zentrum des Aufstands war die größte Haftanstalt Lateinamerikas Carandiru in der Stadt Sao Paulo, wo 10 000 Insassen zweitweilig 5 000 Besucher als Geiseln festhielten. Es gab Brände und auch Schießereien zwischen Meuterern und Polizei. Die Aufständischen gaben nach einem Ultimatum der Behörden auf, die nach Medienberichten mit einer Erstürmung der Anstalten gedroht haben sollen.



Sprecher von Menschenrechtsorganisationen wiesen auf die miserable Situation in den völlig überbelegten Gefängnissen Brasiliens hin. Revolten und Zusammenstöße rivalisierender Banden sind dort ebenso an der Tagesordnung wie Misshandlungen der Häftlinge durch das schlecht bezahlte Wachpersonal. "Die Lage in den Anstalten ist hoffnungslos", meinte der Präsident der Anwältekammer Sao Paulos, Carlos Aidar. In Carandiru hatte die Polizei 1992 einen Gefängnisaufstand brutal niedergeschlagen. Dabei waren 111 Häftlinge getötet worden.

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