Nach der Gewinnwarnung bricht Aktie des Großbäckers dramatisch ein
Schwarzer Tag für Bäcker Kamps

Hat sich der deutsche Großbäcker Kamps mit seinen Akquisitionen übernommen? Analysten befürchten, dass der Brötchen-Millionär die Kontrolle über das Geschäft verloren hat. Ihre Empfehlungen lauten vielfach: verkaufen. Die Aktie erlebte am Mittwoch ein Fiasko. Heiner Kamps wiegelt ab: "Die Ziele verschieben sich einfach um ein Jahr."

DÜSSELDORF. Die Gewinnwarnung im Halbjahresbericht des Düsseldorfer Großbäckers Kamps AG hat die Börse am Mittwoch eindeutig beantwortet: Die Aktie ging in den freien Fall über. Der Kurs sank um mehr als 40 % auf nur noch 5,80 Euro. Damit nähert sie sich wieder dem Emissionskurs, der beim Börsengang vor drei Jahren bei 4,18 Euro lag. Zu den besten Zeiten wurde das Papier Anfang 2000 mit über 46 Euro notiert.

Das Betriebsergebnis (Ebit) werde 2001 nicht das ehrgeizige Ziel von 130 Mill. Euro erreichen, sondern mit 90 Mill. Euro sogar unter dem Vorjahresniveau von 104 Mill. Euro bleiben, heißt es im Aktionärsbericht. Das Ergebnis vor Abschreibungen (Ebita) soll sich dagegen leicht auf 110 nach 103 Mill. Euro verbessern. Geplant waren allerdings 150 Mill. Euro.

Von seinen Zielen rückt der Großbäcker jedoch nicht ab. "Die geplanten mittelfristigen Ergebnissteigerungen durch weitere Strukturoptimierung sind in vollem Umfang realisierbar", schreibt Vorstandschef Heiner Kamps, der selber rund 8 % der Kamps-Aktien besitzt. Der Pressesprecher ergänzt, die Ziele hätten sich "einfach um ein Jahr verschoben". Für 2002 werde nun ein Ebit von 120 Mill. und ein Ebita von 140 Mill. Euro prognostiziert. Der Jahresüberschuss soll nun von 47 auf 29 Mill. Euro zurückgehen. Operativ habe Kamps keine Probleme. Bis 2004 sollte nach den bisherigen Planungen das Betriebsergebnis mehr als verdoppelt und der Jahresüberschuss von 47 auf 123 Mill. Euro fast verdreifacht werden.

Umsetzung des neuen Logistikkozepts hat sich verzögert

Kamps begründet die negative Ergebnisentwicklung in diesem Jahr damit, dass sich die Umsetzung des neuen Logistikkonzeptes verzögert habe. Hiermit sollte der Fuhrpark besser ausgelastet werden. Zudem seien die Energie- und Rohstoffpreise entgegen den Erwartungen des Managements auf einem hohen Niveau stabil geblieben. Dadurch stiegen die Herstellungskosten im ersten Halbjahr von 404 auf 534 Mill. Euro und zehrten den Umsatzanstieg von 694 auf 842 Mill. Euro, der im Wesentlichen durch Akquisitionen bedingt war, wieder auf. So trug der im 4. Quartal 2000 erworbene französische Markenartikler Harry?s 103 Mill. Euro zum Umsatz bei. Damit wurde der Auslandsanteil von 19 auf 32 % gesteigert.

Die Analysten reagierten gestern enttäuscht. Sie stuften die Aktie auf "Verkaufen" oder "Halten" ab. Daniel Cowan von der SG Securities in London sieht schwarz: "Entweder hat die Unternehmensleitung die Kontrolle über das Geschäft verloren, oder sie war bisher viel zu optimistisch." Die Qualität des Managements sei "verheerend". Er stellt die Aktie auf "Verkaufen".

Auch die Schätzungen der Bank MM Warburg erreichte Kamps nicht. Allerdings weisen die Analysten darauf hin, dass eine deutliche Verbesserung gegenüber dem ersten Quartal zu registrieren sei. Für die WGZ-Bank ist der nach eigener Einschätzung größte Bäcker Europas nur noch ein "Underperformer". Die Gewinnwarnung bedeute einen großen Vertrauensverlust, obwohl das Unternehmen nach wie vor strategisch sehr gut positioniert sei, wie Analyst Christian Riedel meint. Der sehr verhaltene Ausblick für das gesamte Geschäftsjahr sei bedenklich, da das traditionell starke vierte Quartal noch bevorstehe.

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