Nach der Insolvenz hat Gottbehüt wieder eine Zukunft
Betriebsratsvorsitzender zieht die Notbremse

Seit 1997 schrieb die Firma Gottbehüt in Velbert rote Zahlen. Die Firmenleitung hatte die Brisanz der Lage nach Meinung des Betriebsratsvorsitzenden nicht sehen wollen. Also stellte der Betriebsrat den Insolvenzantrag. Die Firma wurde verkauft und besteht in abgespeckter Form weiter.

WUPPERTAL. Am Nachmittag des 9. November 2001, kurz vor 16 Uhr, schrillt bei Insolvenzverwalter Hans P. Runkel in Wuppertal das Telefon. Durch den Äther dringt die aufgeregte Stimme von Richter Rupprecht zu ihm: Er brauche dringend ein Gutachten für die Gottbehüt GmbH&Co KG in Velbert, die nur noch eine Überlebenschance habe, wenn ganz schnell etwas zur Rettung getan werde, so der Richter des Wuppertaler Amtsgerichts.

"Solche Anrufe bekommt man immer am Freitagnachmittag", erinnert sich Runkel: "Das groteske war, dass der Betriebsrat den Insolvenzantrag gestellt hatte." Die Firmenleitung habe die Brisanz der Lage nicht sehen wollen, so begründete der Betriebsratsvorsitzende sein Vorgehen. Als die Eigentümer ihm am 7. November mitteilten, dass sie die Gehälter für September nicht zahlen könnten, entschloss er sich zu handeln - aus der Sorge heraus, dass der Insolvenzgeldzeitraum sonst verstreichen könne.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das 1967 von Hans Gerd Gottbehüt und seinem Schwiegervater gegründete Unternehmen bereits eine Hängepartie hinter sich. Seit 1997 schrieb der Hersteller von Stanzteilen und Befestigungen für Heizkörper bei Jahresumsätzen von 8 bis 9 Mill. Euro rote Zahlen. Die Ausweitung des Produktprogramms auf Verkleidungen für Heizkörper, die Auslagerung von Produktionsteilen in die Tschechische Republik sowie der Druck durch innovative Wettbewerber hatten das Unternehmen mit zuletzt 45 Mitarbeitern in die Krise getrieben.

Als Insolvenzverwalter Runkel am 12. November in Velbert mit den Eigentümern Hans Gerd und Ursula Gottbehüt sowie dem Betriebsrat zusammentrifft, wird klar, dass der Hersteller nicht mehr bis zum Jahresende überleben kann. Die Personalkosten sind zu hoch und Material für die Produktion fehlt. "Die Fortsetzung der Produktion war nur mit Hilfe eines Massedarlehens möglich", resümiert Runkel, der am 13. November zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde. "Das schlimme war, ich hatte nur 20 Tage Zeit, um die Kosten zu senken."

Dass er die Firma retten konnte, verdankt Runkel der neuen Insolvenzordnung aus dem Jahr 1999 und einem glücklichen Zufall. Durch Vermittlung seines Kollegen Robert Fliegner fand Runkel einen Käufer: die Hallmann Werkzeugbau GmbH aus Leverkusen. "Ich hätte spätestens in der zweiten Dezemberwoche alle Mitarbeiter frei stellen müssen", erinnert sich Runkel, wenn sich der Unternehmer Franz Hallmann nicht bereits im Vorgriff auf den Vertragsabschluss in die Entscheidungen eingeschaltet hätte." Die Firma Hallmann beliefert die Autoindustrie mit Großwerkzeugen.Sie beschäftigt 200 Mitarbeiter.

Begünstigt durch die neue Insolvenzordnung konnte Runkel das Verfahren leicht eröffnen: "Heute müssen nur die Verfahrenskosten gedeckt sein. Früher mussten die weiterlaufenden Kosten gesichert sein. Nach altem Recht hätte ich im Fall Gottbehüt nicht eröffnen können, da zu viele Verpflichtungen gleichrangig erfüllt werden mussten." Zudem konnte Runkel nun - in Absprache mit Hallmann - zehn Mitarbeiter sofort freistellen, um die Kosten drastisch zu senken, da die Kündigungsfrist nun generell von sieben Monaten für langjährige Mitarbeiter auf drei Monate für alle - unabhängig von der Betriebszugehörigkeit - gesenkt wurde. Die neue Insolvenzordnung mache vieles leichter, weil Rechte der Gläubiger leicht beschnitten wurden, fasst der Verwalter zusammen. "Der Insolvenzverwalter ist heute Herr im Haus." Nun sei der Gedanke vorherrschend, dass Unternehmen soziale Gebilde seien, die im Interesse der Allgemeinheit erhalten werden müssten.

Für die Erhaltung der Firma Gottbehüt als Ganzes im Rahmen eines Planverfahrens war es laut Runkel zu spät. Ihm blieb nur noch die übertragende Sanierung - sprich: der Verkauf. Gottbehüt wird heute in der neugegründeten Metago Befestigungstechnik Gottbehüt GmbH weitergeführt. "Die Firma läuft gut", fasst Hallmann zusammen. "Wir haben die Besatzung - 21 Mitarbeiter - behalten." Bereut hat er den Kauf nicht.

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