Nach der Landtagswahl
„Katastrophe auch für die CDU“

Die Niederlage der CSU stürzt auch die Schwesterpartei in Turbulenzen. Die Union müsse endlich wieder ihr Profil schärfen, fordern bereits CDU-Politiker. Für die Bundeskanzlerin bringt der Ausgang der Bayern-Wahl jedoch zuerst praktische Probleme.

BERLIN. Genau zwanzig Minuten brauchte Ronald Pofalla, um aus einer Katastrophe zumindest noch einen halben Sieg zu basteln. Schon lange vor den ersten Hochrechnung aus Bayern hatte der CDU-Generalsekretär sich dafür mit Kanzlerin und Partei-Chefin Angela Merkel telefonisch abgestimmt. Dann standen die drei Botschaften, mit denen die Berliner Führungscrew der Union erreichen will, dass die heftigen Erschütterungen im Beiboot CSU jetzt nicht auch den Dampfer CDU ins Wanken bringen. Also hämmerte Pofalla im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin die drei Botschaften in die Kameras: Erstens, klar, die CSU habe den Wahlsieg klar verfehlt; zweitens, noch klarer, das bürgerliche Lager habe zusammen mehr als 60 Prozent erhalten; drittens, am klarsten, der Steinmeier-Effekt sei bei der SPD ausgeblieben.

Mit diesem Dreiklang, so die Hoffnung, könnte die Schuld für den Wahlausgang in Bayern lokalisiert und der Kurs Angela Merkels auf Bundesebene gesichert werden: Sacharbeit in der Großen Koalition, Kurs auf ein schwarz-gelbes Bündnis bei der Bundestagswahl 2009 – das in Bayern zwar jetzt als Niederlage empfunden, für den Bund aber Vorbild sein könne.

Doch Pofalla hatte noch nicht die Bühne im Konrad-Adenauer-Haus betreten, da wurde hinten im Foyer der CDU-Zentrale bei bayerischem Leberkäse und Weißbier von den Jungen längst eine andere Deutung ausgegeben – und vieles spricht dafür, dass sie prägend für die Unionsdebatte der kommenden Monate sein wird. „Das ist eine Katastrophe auch für die CDU“, waren sich Philipp Missfelder und Sven Volmering, Bundesvorsitzender der Jungen Union und JU-Landesvorsitzender Nordrhein-Westfalen, einig. Zwar gibt es in der Bundesversammlung für die Wiederwahl von Bundespräsident Horst Köhler trotz des Bayerndebakels weiter eine schwarz-gelbe Mehrheit. Aber für einen Wahlsieg 2009 im Bund braucht Merkel CSU-Stimmenanteile von mehr als 50 Prozent in Bayern.

Volmering spricht deshalb kühl aus, was in der Union auch vor der Bayernwahl viele dachten: „Die Basis hat ganz einfach das große Bedürfnis, dass sich die Kanzlerin jetzt mehr als CDU-Vorsitzende zeigt.“ Die Union müsse endlich wieder ihr Profil schärfen – und das gehe bei allem Respekt für die Popularität Merkels am besten mit einem Team. Das kann man durchaus als Kampfansage aus den Ländern an die Große Koalition interpretieren – zumal diverse CDU-Ministerpräsidenten mit den Hufen scharren, um eine größere bundespolitische Rolle zu spielen. „Wir haben ja auch gute Leute mit Profil – Jürgen Rüttgers und Karl-Josef Laumann – bei uns, Christian Wulff in Niedersachsen“, fügt Volmering süffisant hinzu.

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