Nach der Leitzinssenkung der EZB
Inflationsraten in fünf Ländern der Euro-Zone unerwartet hoch

Nur einen Tag nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen wegen künftig geringerer Inflationsgefahren gesenkt hat, haben fünf Länder des Währungsgebietes am Freitag unerwartet hohe Teuerungsraten für April gemeldet.

Reuters LONDON. Hauptfaktor für den beschleunigten Anstieg der Verbraucherpreise waren höhere Preise für Benzin und Nahrungsmittel, eine Folge von BSE und Maul- und Klauenseuche. Diese kurzfristigen Einflüsse werden sich in einiger Zeit abschwächen, hatte EZB-Präsident Wim Duisenberg am Donnerstag nach der Zinsentscheidung gesagt. Gleichwohl werde die Notenbank ihr Ziel, die Inflationsrate in der Euro-Zone unter zwei Prozent zu halten, in diesem Jahr voraussichtlich verfehlen.

Inflationsdruck nach wie vor stark

Die Daten aus Deutschland indes zeigten am Freitag, dass der Inflationsdruck nach wie vor stark bleibt. In der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone beschleunigte sich die Jahresteuerung im April mit 2,9 Prozent auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. Analysten zufolge könnte diese Zahl im Mai noch übertroffen werden.

Auch in Frankreich trieben höhere Fleisch- und Energiepreise die Inflation nach oben. Die Jahresrate erhöhte sich im April auf 2,0 Prozent nach 1,4 Prozent im März und damit stärker als von Analysten erwartet. In Spanien erreichte die Inflationsrate 4,0 Prozent nach 3,9 Prozent im Vormonat. In den Niederlanden beschleunigte sich die Teuerungsrate sogar auf 4,9 Prozent nach 4,6 Prozent im März. In Irland, das derzeit die höchste Inflationsrate in der Euro-Zone verzeichnet, stieg die Inflationsrate im April auf 5,6 Prozent im Vergleich zum April 2000 ebenfalls unerwartet stark.

Die EZB hatte ihre Zinssenkung, die von vielen wegen der erlahmenden Konjunktur in der Euro-Zone schon länger gefordert war, mit den geringeren Inflationsgefahren auf mittlere Sicht begründet. EZB-Präsident Duisenberg führte als Begründung vor allem das Wachstum der Geldmenge M-3 an. Der Indikator für die zu erwartende Preisentwicklung müsse wegen einer statistischen Verzerrung nach unten korrigiert werden und lasse deshalb auf rückläufige Inflationsgefahren in der Zukunft schließen. "Alle erhältlichen Prognosen deuten darauf hin, dass die Inflation in anderthalb bis zwei Jahren unter zwei Prozent liegen wird", hatte der EZB-Präsident gesagt.

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