Nach der ManU-Pleite erwartet Leverkusen nun die Bayern
Viele Pechvögel und ein weinender Sündenbock

Es fällt schwer, sich Jan Simak weinend vorzustellen. Und noch schwerer fällt es zu glauben, die netten Leverkusener Fans hätten dafür gesorgt, dass der in Hannover ob seiner Eskapaden gefürchtete Unhold der zweiten Liga greinend in der Kabine sitzt.

Doch so war es am Dienstag, nach der unglücklichen 1:2 Niederlage in der Champions League gegen Manchester United.

Dem Team und dem Trainer machen die Fans keine Vorwürfe. Sie registrieren nüchtern und realistisch, dass ihre Mannschaft aus Leverkusen, der Stadt ohne Hauptbahnhof, nach einer Saison in den obersten Etagen des Fußballs wieder Bodenkontakt aufnimmt. Heftiger zwar als erhofft, aber so ist das halt. Es wirkte am Dienstag, als erwachten die Fans aus einem langen, schönen Traum. Und dass ihnen die Mannschaft diesen Traum beschert hat, haben sie nicht vergessen. Da aber am Ende irgendwer Schuld sein muss, ist es eben einer, der in der glanzvollen Saison nicht dabei war: Jan Simak. Auf den laden die Fans nun ihren Frust ab.

"Die Fans pfiffen Jan schon aus, bevor er den ersten Ball verloren hatte", stellte Toppmöller nach dem Match bitter fest. Das habe weh getan. Nicht nur Simak, auch dem Trainer. Simak ist das Opfer eines Zorns, den es nicht geben darf. Denn das enorm ersatzgeschwächte Toppmöller-Team - es fehlten acht Stammkräfte, nach 22 Minuten humpelte auch noch Oliver Neuville verletzt vom Spielfeld - drängte wie schon am Samstag beim 2:3 in Bremen 90 Minuten lang auf das gegnerische Tor - und blieb doch erneut glück- und erfolglos. Symptomatisch die 86. Minute, als Dimitar Berbatovs Kopfball vom Innenpfosten nicht ins Tor, sondern wieder ins Spielfeld hüpfte. Symptomatisch, dass ManU aus zwei Chancen zwei Tore machte. "Das Glück müssen wir uns hart wieder erkämpfen", sagte Toppmöller.

Mit dem Einsatz der Mannschaft war aber Manager Reiner Calmund ebenso "zufrieden" wie Trainer Toppmöller, der "im Rahmen der personellen Situation ein sehr gutes Spiel" gesehen hatte. Die aktuelle Leverkusener Erfolglosigkeit liegt nicht an Einstellung und Einsatzwillen, sondern an der Verletzungsmisere und den Abgängen wichtiger Spieler. Michael Ballacks Wert für das Leverkusener Spiel wurde am Dienstag erneut erst durch seine Abwesenheit deutlich: Bernd Schneider und Yildiray Bastürk sind zweifellos ausgezeichnete Fußballer, aber eben nicht die Sorte Spieler, die ein Spiel in die Hand nehmen. Sie brauchen einen wie Ballack neben sich, um richtig aufblühen zu können. Und heißt der Gegner Manchester United, macht es sich schmerzlichst bemerkbar, wenn etwa statt Diego Placente und Ze Roberto die 21-jährigen Talente Hanno Balitsch und Marko Babic ran müssen. Oder wenn Pascal Ojigwe gegen David Beckham antreten muss.

Die drei Genannten spielten zwar gut, doch fehlt ihnen schlicht die internationale Klasse, die Teams wie Manchester auszeichnet. Kleinste Fehler, wie der von Balitsch vor dem 0:1 durch Ruud van Nistelrooy, als er eine Flanke unterlief, werden gnadenlos bestraft. "Die jungen Spieler müssen nun schnell aus ihren Fehlern lernen", fordert Toppmöller. Ob dieser Lernprozess aber so rasch vonstatten geht, dass schon am Samstag gegen die Bayern ähnliche Fehler nicht mehr passieren, muss bezweifelt werden. Es steht zu befürchten, dass sich das Bayer-Rumpf-Team auch am zweiten "lecker Heimspiel" (Calmund) binnen fünf Tagen verschluckt.

Das Lazarett wird sich bis Samstag nicht lichten. Jan Simaks Einsatz ist daher wahrscheinlich, auch wenn er am Dienstag wie ein verängstigter Hase über das Feld hoppelte. Brauchen die Fans bei einer Niederlage wieder einen Sündenbock, sind erneute Tränen nicht ausgeschlossen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%