Nach der Pisa-Studie wird über Förderunterricht in Ferien diskutiert
Schwächere Schüler sollen stärker gefördert werden

Nach dem verheerenden Abschneiden deutscher Schüler im internationalen Vergleichstest Pisa wird der Ruf nach mehr Förderung für schwächere Schüler immer lauter. Der Pisa-Beauftragte der Kultusministerkonferenz Hermann Lange schlug am Mittwoch in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" vor, für schwächere Schüler notfalls Unterricht auch am Nachmittag oder in den Ferien anzubieten.

ap BONN. Die Kultusminister selbst wollten die Ergebnisse der Pisa-Studie auf der turnusmäßigen Sitzung der Kultusministerkonferenz am Mittwoch und Donnerstag in Bonn beraten.

Der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Jürgen Kluge, verlangte unterdessen ein Sechs-Milliarden-Mark Programm für mehr Krippenplätze und ein flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen. «Wenn wir nicht handeln, nehmen wir jungen Menschen ihre Lebenschancen», sagte Kluge. Er schlug vor, die Zahl der Krippenplätze in den nächsten zwei Jahren zu verdreifachen, so dass für jedes fünfte Kind ein Platz zur Verfügung stehe. Außerdem müsse es Ganztagsschulen für jeden dritten Schüler geben. "Das ist gut investiertes Geld, denn nur die Dummheit gibt es umsonst", sagte Kluge.

Auch Nordrhein-Westfalens Schulministerin Gabriele Behler meinte: "Es muss sich im deutschen Bildungssystem etwas ändern." Ein Ansatzpunkt sei die Verbesserung der sprachlichen Ausbildung der Kinder bereits im Kindergarten- und Vorschulalter, sagte sie bei Radio NRW.

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Jürgen Möllemann forderte Bund und Länder auf, die Bildungspolitik zur Chefsache zu machen. Die Ergebnisse der Pisa-Studie seien ein Alarmruf, dass man den Bereich Schule nicht weiter zurückstellen dürfe, sagte der frühere Bundesbildungsminister. Die finanzielle Ausstattung des Schulsystems müsse schnellstmöglich verbessert werden. Es gebe zu wenige junge Lehrer, die auch nach modernen Methoden unterrichteten, zu große Klassen und zu viel Unterrichtsausfall. Mehr Ganztagesschulen könnten hier Defizite ausgleichen.

Der Deutsche Lehrerverband betonte unterdessen, die Pisa-Ergebnisse seien kein Attest für die Schulen sondern "ein Attest für die ganze Nation und deren Bildungsgesellschaft". "Die Schulen und Lehrer sollten die Konsequenz ziehen, den Schülern mehr zuzutrauen und ihnen mehr abzuverlangen", betonte der Verband. Aber auch die Eltern müssten mehr Anteil nehmen am Lern- und Arbeitsverhalten ihrer Kinder.

Der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sieht sich durch die Pisa-Studie in ihren Erfahrungen aus der Schulsozialarbeit bestätigt: Erfolgreich sei das deutsche Bildungssystem nur bei der sozialen Abspaltung. "Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, insbesondere Kinder von Einwanderern, haben im deutschen Bildungssystem kaum Chancen", hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%