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Nach der Rally: Wall Street eröffnet mit leichten Verlusten

Nach einer spektakulären Zwei-Tages-Rally eröffnet die Wall Street mit leichten Verlusten. Der Dow Jones gibt in den ersten Handelsminuten 25 Punkte ab, die Nasdaq notiert 15 Punkte unter dem Schlusskurs von gestern. Beide großen Indizes handeln noch über den "magischen Grenzen", die sie am Mittwoch gesprengt hatten.

Der Dow Jones hatte es gestern zum ersten Mal seit Anfang September über die 10.000-Punkte-Marke geschafft. Nach zwei vergeblichen Versuchen, über die fünfstellige Hürde zu kommen, hatten Analysten befürchtet, die psychologisch interessante Grenze könnte zu einer technischen Barriere werden, würden die Blue Chips weiter scheitern. Die Nasdaq schloss am Mittwoch nach einem Plus von 4,3 Prozent erstmals seit August über 2000 Punkten.

Gemischte Nachrichten kommen am Morgen aus dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist in der letzten Woche um 18.000 gesunken. Dafür ist, nach zwei Wochen kräftiger Anstiege, der aussagekräftigere Vier-Wochen-Durchschnitt gestiegen. Die Arbeitslosenquote wird am Freitag veröffentlicht.

Auch der Krieg in Afghanistan, der in den vergangenen Woche auf dem Parkett nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt hatte, ist am Donnerstag wieder in aller Munde. Dass die Taliban die Stadt Kandahar aufgeben und kapitulieren wollen, wird als großer Erfolg gewertet. Der Markt könnte einen weiteren Schub bekommen.

Zunächst aber sind Gewinnmitnahmen zu erwarten. Manche Sektoren - darunter die Chip- und Netzwerkbranche sowie die Hardware- und Software-Hersteller - haben in zwei Tagen mehr als zwölf Prozent zugelegt. Die Big Caps, Trendsetter der Tech-Branche, handeln am Morgen im roten Bereich - wenn auch nur mit kleinen Verlusten. Microsoft, Intel, Cisco, Dell und Sun Microsystems geben jeweils einige Zehntel-Prozent ab. Allein Oracle steht mit einem Plus von 1,5 Prozent auf der Gewinnerseite. CEO Larry Ellison hatte sich am Abend gegenüber Investoren positiv über die Auftragslage und die Aussichten des Software-Konzerns geäußert.

Bewegung ist am Donnerstag im Biotech-Sektor. Das Pharmazie-Unternehmen Millennium hat am Morgen angekündigt, COR Therapeutics für zwei Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Millennium hat zahlreiche Medikamente in der Pipeline, aber noch keines auf dem Markt, COR indes vertreibt bereits mehrere Produkte. Der Deal wird von Marktteilnehmern begrüßt. Zunächst geht es für die Papiere von Millennium zwar abwärts, da auf das Unternehmen hohe Kosten zukommen. Aktien von COR legen indes fast 50 Prozent zu.

Auch die Einzelhändler stehen unter Beobachtung. Am Morgen haben sich zahlreiche Unternehmen zu Novemberverkäufen geäußert und den Trend der letzten Wochen bestätigt. Die Luxus- und Modeketten legen nur leicht zu, Ann Taylor beispielsweise um 0,8 Prozent. Die Elektronikhändler sind erfolgreicher, da die Nachfrage nach DVD-Spielern und ähnlichen Artikeln vor allem in der Vorweihnachtszeit steigt. Circuit City und Radio Shack steigern die Verkäufe um sechs beziehungsweise drei Prozent, die Aktien gewinnen am Morgen sechs beziehungsweise drei Prozent. Die großen Multimärkte verzeichnen höhere Steigerungsraten, bleiben aber hinter den Erwartungen des Marktes zurück. Aktien von Wal-Mart und K-Mart verlieren im frühen Handel 1,5 Prozent beziehungsweise drei Prozent.

Auch Enron findet sich wieder auf dem absteigendem Ast. In den letzten drei Tagen hatten die Aktien ihren Wert verfünffacht, da sich Enron eine Finanzspritze von 1,5 Milliarden Dollar bei JP Morgan Chase und Citigroup sichern konnte und Anleger an eine mögliche Rettung des einstigen Energieriesen glaubten. Am Morgen belasten Gerüchte über illegale Insidergeschäften die Aktie. Die Amalgamated Bank spricht von "Betrug in groteskem Ausmaß". Dass Enron zwei Tage vor der Kapitulation 58 Millionen Dollar an Vorstandmitglieder verteilte, belastet die Glaubwürdigkeit des Unternehmens zudem. Enron gibt 36 Prozent ab.

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