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Nach der Rally: Wall Street erwartet schwachen Auftakt

Die Futures deuten am Donnerstagmorgen auf einen schwachen, höchstens behaupteten Handelsauftakt. Nach einer Zwei-Tages-Rally notiert die Nasdaq vorbörslich mit einem Pünktchen im Minus, der breit gefächerte S&P 500 notiert unverändert.

Am Mittwoch hatten die beiden großen US-Indizes im x-ten Anlauf magische Grenzen gesprengt. Der Dow Jones schaffte es zum ersten Mal seit Anfang September über die 10.000-Punkte-Marke. Analysten hatten zuvor befürchtet, die psychologisch interessante Grenze könnte zu einer technischen Barriere werden, sollten die Blue Chips weiter scheitern. Die Nasdaq notiert nach einem Plus von 4,3 Prozent erstmals seit August über 2000 Punkten.

Gemischte Nachrichten kommen am Morgen aus dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist in der letzten Woche um 18.000 gesunken. Dafür ist, nach zwei Wochen krasser Anstiege, der aussagekräftigere Vier-Wochen-Durchschnitt gestiegen. Die Arbeitslosenquote wird am Freitag veröffentlicht. Auch der Krieg in Afghanistan, der in den vergangenen Woche auf dem Parkett nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt hatte, ist am Donnerstag wieder in aller Munde. Dass die Taliban die Stadt Kandahar aufgeben und kapitulieren wollen, wird als großer Erfolg gewertet. Der Markt könnte einen weiteren Schub bekommen.

Marktbeobachter rechnen allerdings auch mit Gewinnmitnahmen am Donnerstag. Manche Sektoren - darunter die Chip- und Netzwerkbranche sowie die Hardware- und Software-Hersteller - haben in zwei Tagen mehr als zwölf Prozent zugelegt.

Am frühen New Yorker Morgen haben sich einige Einzelhändler zu Novemberverkäufen geäußert. Dabei haben die Unternehmen den Trend der letzten Wochen bestätigt. Die Luxus- und Modeketten legen nur leicht zu, Ann Taylor beispielsweise um 0,8 Prozent. Die Elektronikhändler sind erfolgreicher, da die Nachfrage nach DVD-Spielern und ähnlichen Artikeln vor allem in der Vorweihnachtszeit steigt. Circuit City und Radio Shack steigern die Verkäufe um sechs beziehungsweise drei Prozent.

Am schwächsten präsentiert sich nach wie vor die Modekette The Gap. Die Filialen von Gap und den Tochtermarken Banana Republic und Old Navy verzeichnen Umsatzeinbrüche bis zu dreißig Prozent. Aktien von The Gap verlieren am frühen Morgen erneut neun Prozent.

Die Big Caps, Trendsetter der Tech-Branche, handeln am Morgen im Plus - allerdings nur mit minimalen Gewinnen. Allein Oracle gewinnt vorbörslich 1,8 Prozent. Microsoft, Intel, Cisco, Dell und Sun Microsystems notieren nur wenige Zehntel über den Schlusskursen von Mittwoch.

Aktien von Millennium Pharmaceuticals gehören am Donnerstag vorbörslich zu den größten Verlierern. Das Unternehmen, das derzeit noch kein eigenes Medikament am Markt hat, kauft für zwei Milliarden Dollar COR Therapeutics. Im Gegensatz zu Millennium hat COR bereits mehrere Produkte am Markt. Der Deal wird von vielen Marktteilnehmern zwar auf lange Sicht begrüßt, zunächst geht es angesichts der großen Investition aber abwärts für die Aktien von Millennium.

Auch Enron findet sich wieder auf absteigendem Ast. In den letzten drei Tagen hatten die Aktien ihren Wert verfünffacht, da sich Enron eine Finanzspritze von 1,5 Milliarden Dollar bei JP Morgan Chase und Citigroup sichern konnte und Anleger an eine mögliche Rettung des einstigen Energieriesen glaubten. Am Morgen belasten zwei Nachrichten den Titel: Die Amalgamated Bank will von höchst dubiosen, wahrscheinlich illegalen Insidergeschäften erfahren haben. Ein Sprecher der Bank sprach von "Betrug in groteskem Ausmaß". Dass Enron zwei Tage vor der Kapitulation 58 Millionen Dollar an Vorstandmitglieder verteilte, belastet die Glaub- und Kreditwürdigkeit des Unternehmens zudem.

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