Nach der Telekom warten Wühlmäuse
Sihler macht reinen Tisch

Das hätte ihm kaum einer zugetraut. Als der 72- jährige Helmut Sihler im Juli völlig überraschend als Interimschef der Deutschen Telekom aus dem Ärmel gezaubert wurde, rief das bei vielen Kopfschütteln hervor. Doch der alte Herr hat es allen gezeigt.

HB/dpa BONN. Er machte Nägel mit Köpfen, scheute vor drastischem Sparkurs und Stellenabbau nicht zurück. Sihler habe ihm einen "reinen Tisch" hinterlassen, würdigte der neue Vorstandschef Kai-Uwe Ricke das viermonatige Wirken Sihlers.

Wegen seiner nur begrenzten Zeit am Ruder des Konzerns war Sihler zunächst als "lahme Ente" abgetan worden. Er entpuppte sich aber als energischer und souveräner Krisenmanager und als Glücksfall für den arg gebeutelten Konzern. Er erwarte für seine Arbeit im Chefsessel - "es waren auch einige hässliche Ecken dabei" - etwa ein Salär von 800 000 bis 1 Million Euro, sagte Sihler der dpa.

Aus dem Ruhestand kommend, packte der ins Amt gedrängte Sihler nach dem Rückzug von Ron Sommer in der Konzernzentrale zu. Auch den geballten Unmut der Beschäftigten auf einer Kundgebung gegen den geplanten Stellenabbau scheute er nicht. Mit breitem Kreuz und großer innerer Ruhe bekräftigte er, es gebe dazu keine Alternative. Schönreden und Aussitzen war seine Sache nicht.

Die zu teuer gekaufte US-Tochter VoiceStream wurde großzügig im Wert berichtigt, die Dividende für dieses Jahr kurzerhand gestrichen. Wie bereits in seiner Zeit als langjähriger Vorstandschef beim Waschmittelkonzern Henkel sorgte der gebürtige Österreicher für "saubere" Verhältnisse. "Die Krise der Telekom ist auch eine Chance", gab er Ricke mit auf den Weg.

Dass sich die Kandidatensuche für einen Nachfolger von Sommer so lange und für Beobachter auch teilweise dilettantisch hinzog, will Sihler nicht gelten lassen. "Ernsthaft zur Sache ist es erst nach der Bundestagswahl gegangen." Von allen in den Medien genannten externen Spitzenmanagern sei nur einer in der engeren Auswahl gewesen. Und Ricke sei der "beste Mann" gewesen.

Als Aufsichtsratschef (1996-2000) kannte Sihler bereits das Innenleben der Telekom. Später gab er den Stab an Hans-Dietrich Winkhaus weiter, einen langjährigen Weggefährten bei Henkel. Davor war Sihler bereits Aufsichtsratschef bei Porsche und auch der Deutschen Post. Wäre er jünger gewesen, dann hätte er gerne das Steuer in Bonn auch ganz übernommen, meinte Sihler. "Aber wir können ja nicht als Doppelspitze auftreten."

Bis zur nächsten Hauptversammlung werde er jetzt noch einfaches Aufsichtsratsmitglied bei der Telekom bleiben, kündigte er an. In den nächsten Tagen werde er noch Investoren auch in New York über die Lage der Telekom informieren. Dann will der Porschefahrer und Golfer auch wieder mehr Zeit für seine Heimat Kärnten haben. "Dort muss ich mich dann um die Bekämpfung der Wühlmäuse kümmern."

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