Nach der US-Wahl
McCains Berater gehen auf Palin los

Die Wahl ist gelaufen, jetzt beginnt bei den Republikanern die Schlammschlacht. McCain-Berater machen Sarah Palins PR-Unfälle für die Niederlage verantwortlich, die weist die Schuld zurück. Heckenschützen aus dem Umfeld des Senators breiten jetzt genüsslich Details über angebliche Stümpereien der ehemaligen Vize-Kandidatin aus.

NEW YORK. Das ging John McCains Leuten am Ende zu weit. Jetzt wollte sie auch noch eine Rede halten. Sarah Palin hatte am Wahlabend auf der Veranstaltung der Republikaner in Arizona ihr Manuskript schon in der Hand, als zwei Berater des republikanischen Präsidentschaftskandidaten sie aufhielten. Nur McCain selbst, sagten sie, solle zur Nation sprechen und die Niederlage des Gespanns einräumen. So will es auch die Tradition. Palin fügte sich und schwieg, wie das Magazin "Newsweek" die Szene schilderte. Der selbsternannte "Pitbull mit Lippenstift" bekam einen Maulkorb verpasst.

Auch wenn McCain und Palin öffentlich nur gute Worte übereinander finden: Nach der Niederlage gegen Barack Obama wird bei den Republikanern jetzt der Schwarze Peter herumgeschoben. Dabei lancieren McCains Leute mit Lust Ausrutscher und Peinlichkeiten der Gouverneurin von Alaska aus den vergangenen Monaten. Nur wegen Palin, sagen sie, habe der Senator aus Arizona verloren. Den Anfang machte McCains Top-Berater Steve Schmidt vor ein paar Tagen, als er sich weigerte, Palins Performance im Wahlkampf zu verteidigen.

Jetzt, wo die Wahl gelaufen ist, erinnern McCains Strategen vor allem an jenen bösen Tag, als bekannt wurde, dass Palin für den Nominierungs-Parteitag 150.000 Dollar für Designer-Kleidung auf Parteirechnung auf den Kopf gehauen hatte. Damit hatte sie auf einen Schlag ihr sorgsam aufgebautes Image als "Hockey Mum", als einfache Mutter wie jede andere auch, zum Einsturz gebracht.

Nun heißt es, es seien sogar noch "zehntausende Dollar mehr" gewesen. "Hinterwäldler aus Wasilla plünderten Designer-Läden im ganzen Land," ätzte ein anonymer Heckenschütze aus dem McCain-Lager. In Wasilla, einer Kleinstadt in Alaska, war Palin einst Bürgermeisterin gewesen. Zwei McCain-Berater wissen nun zu berichten, dass eigentlich nur 25.000 Dollar für die Garderobe eingeplant waren. Deshalb würden bald Anwälte der Partei nach Alaska reisen, um das Geld zurückzuholen.

Palin selbst behauptet, dass die teure Garderobe von der Partei abgesegnet gewesen sei. "Die Kleidung gehört mir doch gar nicht", sagte die Gouverneurin. "Genauso wenig wie die Scheinwerfer und Bühnen, die für den Parteitag angeschafft wurden."

Böse Erinnerungen plagen McCains Leute auch noch immer an das berühmt gewordene Interview Palins, in dem sie ihre außenpolitische Expertise damit begründete, dass sie von Alaska aus nach Russland schauen könne. Nach diesem PR-Desaster sondergleichen war die bis dahin gefeierte Kandidatin in den Umfragen abgestürzt. Ein Berater McCains schilderte nun verärgert, dass sich Palin damals keine Zeit zur Vorbereitung genommen habe. In diese Richtung zielen auch kleinere Anekdoten der Heckenschützen aus dem McCain-Lager.

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