Nach der Wahl in Frankreich
Ein paar Tage Dolce Vita

Während sich Nicolas Sarkozy auf dem Mittelmeer vom Wahlkampf erholt, müssen seine Mitstreiter in Paris weiter arbeiten. Freunde wie Gegner rüsten sich für Sarkozys Amtsantritt. Wie sich Frankreich auf den Machtwechsel im Elysée-Palast vorbereitet.

PARIS. Die Kranzniederlegung vor dem Grab des Unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen, die Fahrt im offenen Militärjeep auf den Champs Elysées, das Händeschütteln mit Kriegsveteranen: Es ist der zwölfte und letzte 8. Mai, an dem Jacques Chirac den Sieg über Nazi-Deutschland zelebriert. Sein Nachfolger ist nicht dabei. Er wolle doch nicht den Eindruck erwecken, "dass Frankreich zwei Präsidenten hat", ließ Nicolas Sarkozy verlauten.

Das künftige Staatsoberhaupt Frankreichs ist nach seinem Wahlsieg erst einmal abgetaucht. Zuletzt wurde Sarkozy in Jeans und offenem Hemd am Montag um 11.47 Uhr beim Verlassen des Pariser Gourmet-Tempels Fouquet?s gesichtet, in Begleitung seiner Ehefrau Cécilia und seines jüngsten Sohnes Louis. Dann verliert sich seine Spur - bis abends um 20.06 Uhr. Da meldet die Luftverkehrswacht des Mittelmeer-Inselstaates Malta die Ankunft eines französischen Privatjets vom Typ Falcon 900 EX, der Gerüchten zufolge dem französischen Geschäftsmann Vincent Bolloré gehört. Nun ist die Familie Sarkozy auf einer Luxusyacht Richtung Sizilien unterwegs. "Ein wenig Dolce Vita vor dem harten Leben im Elysée-Palast?" fragte die Tageszeitung "Le Monde" schnippisch. "Das ist ein Arbeitsurlaub", entgegnet Sarkozys Wahlkampfleiter Claude Guéant, der mit großer Wahrscheinlichkeit zum Generalsekretär des Elysée-Palasts aufsteigen wird.

Während sich Sarkozy auf dem Mittelmeer vom Wahlkampf erholt, müssen seine Mitstreiter in Paris weiter arbeiten. Der voraussichtliche Premierminister François Fillon legt letzte Hand an sein Kabinett, dem nur noch 15 Minister, also halb so viele wie bisher, angehören sollen. "Je kleiner die Regierung, desto erträglicher wird es für alle, die nicht dabei sind", tröstet Fillon schon mal vorab jene, die er enttäuschen wird. Nicht alle davon werden ganz leer ausgehen. Der Premier wird noch 20 Staatssekretäre in die Regierung berufen. Das soll aber erst nach der Parlamentswahl Mitte Juni geschehen.

Das neue Staatsoberhaupt ist abwesend, doch in Paris dreht sich alles um ihn. Freunde wie Gegner bereiten sich auf Sarkozys Amtsantritt vor. Zu den Freunden gehört der französische Rocker Johnny Halliday, dessen Flucht vor dem seiner Meinung nach allzu gierigen Fiskus vergangenes Jahr in Frankreich sehr viel Aufsehen erregt hatte. Jetzt will der Altstar dem Schweizer Exil den Rücken kehren und wieder in seine Heimat zurückkehren. Denn der neue Präsident hatte angekündigt, die Steuerlast auf maximal 50 Prozent des Einkommens zu senken. Bislang beträgt diese Obergrenze 60 Prozent. "Sarkozys Politik wird dafür sorgen, dass wir zurückkommen", sagte Hallydays Ehefrau Laeticia am gestrigen Dienstag im Fernsehen.

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