Nach der Zumwinkel-Absage
Telekom sucht weiter einen Chef

Die Deutsche Telekom hat mit der Absage von Post-Chef Klaus Zumwinkel einen weiteren Rückschlag bei ihrer Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden erlitten.

Reuters FRANKFURT. Nach mehrtägigem Schweigen lehnte Zumwinkel am Montag das Angebot ab, auf den Chefsessel der Telekom zu wechseln und damit in die Fußstapfen des bereits im Juli abgelösten langjährigen Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer zu treten. "Ich bleibe Vorstandsvorsitzender der Deutsche Post World Net", teilte Zumwinkel nach einem Kurzurlaub in einem Schreiben an die Post-Mitarbeiter in Bonn mit. Die Anfrage ehre ihn zwar, doch er sei mit Freude Postchef. Bei der Telekom war zunächst keine Stellungnahme dazu erhältlich.

Von den vier zuletzt in der Öffentlichkeit genannten Kandidaten für den Posten bleibt nach Zumwinkels Absage nun nur noch Telekom-Vorstand Kai-Uwe Ricke als interner Nachfolger übrig. In der Branche hieß es am Montag jedoch, es gebe noch weitere Kandidaten, die Gespräche mit dem Telekom-Management führten. Namen wurden zunächst nicht genannt. Ende des Monats wolle das Präsidium des Aufsichtsrats über die in die engere Wahl gekommenen Bewerber beraten.

Die Börse reagierte zunächst mit Kursverlusten bei der T-Aktie auf den Korb, den Zumwinkel dem größten europäischen Telekom-Konzern gab. Das Telekom-Papier verlor bis zum frühen Nachmittag rund 3,5 % auf 8,90 Euro, während der Deutsche Aktienindex (Dax) lediglich 1,5 % einbüßte. Auch die Aktien der Post beschleunigten im Handelsverlauf ihre Talfahrt mit gut fünf Prozent auf 8,30 Euro. Analysten hatten sich zu den jüngsten Spekulationen um Zumwinkel als neuen Telekom-Chef ohnehin verhalten geäußert. Während die künftige Amtsführung von Ricke als internem Kandidaten weitgehend berechenbar sei, laste auf Zumwinkel als Konzern- und Branchenfremden ein gewisser Unsicherheitsfaktor, sagten Telekom-Analysten.

Auf der Wunsch-Liste ganz oben

In Kreisen der Post war am Freitagabend bestätigt worden, dass Zumwinkel ein Angebot zur Übernahme des Postens als Telekom-Chef vorlag. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, Zumwinkel werde mit "sehr hoher Wahrscheinlichkeit" noch in diesem Jahr neuer Vorstandsvorsitzender der Telekom. Auf diese Lösung hätten sich die Führungsspitze des Bonner Konzerns und der Bund als Großaktionär der Telekom mit rund 43 % des Kapitals verständigt. Die "Financial Times Deutschland" hatte unter Berufung auf Kreise des Telekom-Vorstands geschrieben, Zumwinkel stehe auf der Kandidaten-Liste ganz oben.

Die in der vergangenen Woche ebenfalls in den Medien kolportierten Kandidaten, der ehemalige BDI-Chef Hans-Olaf Henkel sowie der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking hatten bereits signalisiert, dass sich nicht gewillt sind, die Sommer-Nachfolge anzutreten. Der mehr als sieben Jahre als Telekom-Chef amtierende Ron Sommer war im Juli zurückgetreten, nachdem er wegen des Kurssturzes der Aktie, der öffentlich als zu hoch kritisierten Vorstandsvergütung sowie der Verschuldung des Unternehmens in die Kritik geraten war. Dabei hatte er auch den Rückhalt der Bundesregierung verloren. Der frühere Aufsichtsratschef Helmut Sihler nimmt seit Sommers Ausscheiden die Führung des Vorstands bis Jahresende kommissarisch wahr.

Die Telekom führt allerdings noch mit weiteren Managern Gespräche, wie es in mit der Kandidatensuche vertrauten Kreisen hieß. Bis Monatsende wollen demnach die mit der Nachfolgesuche betrauten Telekom-Manager, Interims-Vorstandschef Sihler und Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus eine Liste mit weniger als einer Handvoll Kandidaten zusammenstellen. Aus dieser Liste soll den Angaben zufolge dann das Präsidium des Aufsichtsrates Personalvorschläge für den 20-köpfigen Aufsichtsrat ausarbeiten. Formal ist die Entscheidung über die Berufung eines neuen Vorstandschefs dem paritätisch mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern sowie zwei Regierungsvertretern besetzten Aufsichtsrat vorbehalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%