Nach DNA-Analyse offenbar vor der Aufklärung
Heiße Spur im Mordfall Rohwedder

Mehr als zehn Jahre nach dem RAF-Attentat auf Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder in Düsseldorf steht der Mord offenbar vor der Aufklärung. Durch eine neuartige Genanalyse stießen die Fahnder nach eigenen Angaben vom Mittwoch auf eine heiße Spur, die auf eine Beteiligung des mutmaßlichen RAF-Terroristen Wolfgang Grams schließen lässt.

ap KARLSRUHE. Mehr als zehn Jahre nach der Ermordung des Treuhandchefs Detlev Karsten Rohwedder sind die Ermittler auf eine heiße Spur des Täters gestoßen. Wie das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwoch mitteilte, konnte ein am Tatort gefundenes Haar einwandfrei dem mutmaßlichen RAF-Terroristen Wolfgang Grams zugeordnet werden. Die Bundesanwaltschaft betonte jedoch, dass die Tat damit noch nicht endgültig aufgeklärt sei. Grams kam im Juni 1993 in Bad Kleinen bei einer Schießerei mit der Polizei ums Leben.

Nach Angaben des BKA ergab eine molekular-genetische Untersuchung von Haarspuren an einem am Tatort gefundenen Handtuch in einem Fall zweifelsfreie Übereinstimmung mit dem genetischen Fingerabdruck von Grams. Die Sprecherin des Generalbundesanwalts, Frauke-Katrin Scheuten, warnte jedoch davor, hieraus voreilig auf die Täterschaft von Grams zu schließen. So sei es denkbar, dass der Attentäter ein Handtuch mit zum Tatort genommen habe, mit dem Grams zuvor in Berührung gekommen sei.

Hintergrund: Zellkern genügt für genetische Analyse

Rohwedder war am 1. April 1991 gegen 23.30 Uhr in seinem Privathaus in Düsseldorf-Oberkassel erschossen worden. Dabei wurde auch seine Frau am Arm verletzt. Die Schüsse waren von einem gegenüber liegenden Schrebergartengelände abgegeben worden.

Unmittelbar neben einem Gartenstuhl, den der Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit benutzte, fand die Polizei ein Selbstbezichtigungsschreiben mit der Unterschrift "Rote Armee Fraktion Kommando Ulrich Wessel" und das besagte Handtuch. "Daran wurden menschliche Haare festgestellt und DNA-analytisch untersucht. Eine Haarspur stammt zweifelsfrei von Wolfgang Grams", heißt es in den Mitteilungen von BKA und Bundesanwaltschaft. Die anderen Haarspuren waren nach diesen Angaben analytisch nicht mehr verwertbar."

Affäre um Vorgänge in Bad Kleinen

Grams war der Polizei am 27. Juni auf dem Bahnhof in Bad Kleinen ins Netz gegangen und lieferte den Fahndern dabei ein Feuergefecht. Im Verlauf des Geschehens fiel auch ein Schuss, der in unmittelbarer Nähe von Grams abgegeben wurde und den mutmaßlichen Terroristen tötete. In offiziellen Stellungnahmen hieß es später, Grams habe sich selbst umgebracht. Es hielten sich jedoch hartnäckig Gerüchte, Grams sei von einem Beamten - mit Absicht oder versehentlich - getötet worden. Festnehmen konnte die Polizei die mittlerweile rechtskräftig verurteilte Terroristin Birgit Hogefeld, die zusammen mit Grams in Bad Kleinen aufgespürt worden war.

Der damalige Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) musste im Verlauf der Affäre zurücktreten. Zudem entließ Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Generalbundesanwalt Alexander von Stahl unter anderem deshalb, weil dieser mehrere, einander widersprechende Erklärungen zu den Vorgängen in Bad Kleinen abgegeben hatte.

Das Haar-Analyse-Verfahren war vom Bundeskriminalamt erst im Mai vergangenen Jahres zur vollständigen Reife entwickelt worden. Laut BKA konnte eine Methode entwickelt werden, "die eine Kern-DNA-Analyse an ausgefallenen Haaren - so genannten telogenen Haaren - ermöglicht". Der erzielte Ermittlungserfolg nähre die Hoffnung, dass mit Hilfe der modernen Untersuchungsmethoden weitere Straftaten aufgeklärt werden können.

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