Nach drastischen Kurseinbrüchen
Bankaktien legen wieder zu

Die Aktien der deutschen Großbanken haben nach zuletzt drastischen Kurseinbrüchen ihre Talfahrt vorerst gestoppt und deutlich zugelegt. Die größten Kursgewinne verzeichnete mit zeitweise über 14 Prozent die Commerzbank, aber auch die Papiere der Deutschen Bank und der HypoVereinsbank legten zu.

Reuters FRANKFURT/M. Angesichts der aktuellen Krise hatten führende Vertreter des Kreditgewerbes bereits um Vertrauen für den deutschen Bankensektor geworben und vor Panik gewarnt. Händler machten trotz der Zugewinne noch keine Trendwende aus und sprachen von einem schüchternen, aber merklichen Stimmungswechsel gegenüber dem Bankensektor. Zurückstufungen der Kreditratings für die Allianz und ihrer Tochter Dresdner Bank durch die Agenturen Moody's und Standard & Poors's vom Mittwoch belasteten die Aktie des Allfinanz-Konzerns nicht.

Die Papiere der Commerzbank, die in den vergangenen Tagen auf Grund von Spekulationen über ein angebliches Liquiditätsproblem und nach einer Herunterstufung durch S&P zeitweise auf ein 20-Jahres-Tief bei 5,04 Euro gefallen waren, profitierten nach Händlerangaben von Aussagen zur Geschäftsentwicklung durch Vorstandschef Klaus-Peter Müller. Dieser hatte dem "Handelsblatt" gesagt, dass die Zahlen der Commerzbank für das dritte Quartal unter Berücksichtigung des Marktumfeldes nicht schlecht ausfallen würden. In der Spitze stieg die Aktie auf 6,63 Euro. Am frühen Nachmittag notierte das Papier noch mit rund zehn Prozent im Plus bei 6,40 Euro. Auch die anderen Bankwerte verbesserten sich. Die Deutsche Bank legte um knapp zwei Prozent auf 38,25 Euro zu, die HypoVereinsbank um 7,3 Prozent auf 12,80 Euro.

Die Erholung bei den Bankaktien hatte am Mittwochnachmittag eingesetzt, nachdem sich mehrere Fachleute mit auf Beruhigung abzielenden Äußerungen zum Bankensektor zu Wort gemeldet hatten. So teilte der Vize-Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), Karl-Burkhard Caspari mit, von einer Zuspitzung der Lage im deutschen Bankenwesen könne keine Rede sein. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, Rolf Breuer, und Bundesbank-Vorstandsmitglied Edgar Meister betonten in Reuters-Interviews, es gebe keine Krise des Bankensystems und auch keine Liquiditätskrise.

Zu den Kursgewinnen am Donnerstag sagte ein Aktienhändler: "Wir sehen einen schüchternen aber merklichen Stimmungswechsel gegenüber dem Bankensektor. Es gibt wieder Hoffnung auf eine Erholung und all die beruhigenden Kommentare - wie der von Commerzbank-Chef Müller - tragen dazu bei." Bei der Commerzbank spielten außerdem noch Deckungskäufe nach dem Ausverkauf der vergangenen Tage und erneut aufkeimende Fusionsgerüchte eine Rolle. Angesichts der Ertrags- und Kostenprobleme der deutschen Banken handele es sich bei den Kursgewinnen aber wohl zunächst nicht um eine Trendwende, sagte ein anderer Börsianer.

Zur Situation seines Hauses sagte Commerzbank-Chef Müller zuvor: "Die Zahlen für das dritte Quartal sind vor dem Hintergrund der katastrophalen Verfassung an den Kapitalmärkten nicht schlecht." Das Firmenkundengeschäft sei profitabel. Beim Privatkundengeschäft kenne er die September-Zahlen noch nicht, bis August sei aber auch dieser Bereich profitabel gewesen. "Im Asset Management schreiben wir noch rote Zahlen, haben das Geschäftsfeld durch die Neustrukturierung auf einen guten Weg gebracht, wie wir glauben." Müller bekräftigte, dass das Kreditportfolio der Commerzbank bei einer effizienten Risikosteuerung solide sei. Die Bank habe nach seiner Einschätzung "das beste Risikobuch" in Deutschland. Das Geldhaus will seine Geschäftszahlen zum dritten Quartal am 12. November veröffentlichen. Eine vorgezogene Veröffentlichung komme nicht in Frage.

Angesichts der positiven Gesamtstimmung hatte auch die Rating-Zurückstufungen für die Allianz und die zum Konzern gehörende Dresdner Bank durch die Agenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) keine negativen Auswirkungen auf die Kursentwicklung. Die Papiere der Allianz notierten mit mehr als vier Prozent im Plus bei knapp 80 Euro. S&P hatte unter anderem das langfristige Rating der Finanzstärke und das langfristige Kreditrating der Allianz auf "AA" von "AA-Plus" reduziert. Der Ausblick sei negativ. Moody' senkte die Einstufung für die vorrangigen und nachrangigen Verbindlichkeiten der Allianz auf "Aa2" von Aaa" beziehungsweise auf "A1 von Aa2". Das Rating für die langfristigen Verbindlichkeiten der Dresdner Bank stufte Moody's auf "Aa3" von "Aa2" zurück. S&P senkte das Kreditrating für die Bank auf "A-Plus" von bislang "AA-Minus".

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