Nach Erfolgen in Sydney keine Medaillen in Athen
Marion Jones erlebt Olympia-Desaster

Es hätte Weltrekord werden sollen. Doch die 4x100-Meter-Staffel um US-Star Marion Jones erreichte am Freitagabend nicht einmal das Ziel.

HB ATHEN. Marion Jones wollte am Freitagabend mit der US-Staffel Weltrekord, doch aus dem Traum vom Comeback wurde nichts. «Meine wildesten Träume wurden in negativster Weise Realität. Es war der brutale Höhepunkt eines schrecklichen Jahres», brachte die Sprinterin ihr olympisches Desaster von Athen auf den Punkt.

Disqualifiziert mit der 4x100-m-Staffel, Rang fünf im Weitsprung: Vier Jahre, nachdem sie in Sydney die größte Erfolgsgeschichte einer Leichtathletin mit dreimal Gold und zweimal Bronze geschrieben hatte, folgte der Absturz des Superstars.

Binnen eines Jahres veränderte sich das Leben der 28-Jährigen komplett. Nichts ist mehr so, wie es war, seit sie nach der Geburt ihres Söhnchens wieder auf die Bahn zurückgekehrt ist. Zusammen mit ihrem Lebenspartner Tim Montgomery, als Weltrekordler bei den US-Trials am Ziel Olympia gescheitert, steckt Marion Jones im Dopingsumpf.

«Ich habe nichts Verbotenes genommen. Alles Verleumdungen», beteuerte sie. Doch als Fakt liegt auf dem Tisch, dass im Jahr 2000 unter ihrem Namen Medikamente im Wert von 7300 Dollar vom kalifornischen Dopinglabor Balco bezogen wurden. Noch stärker wird Montgomery durch Balco-Unterlagen belastet. Sein 100-Meter-Weltrekord (9,78) soll Produkt eines jahrelangen Dopingprogramms gewesen sein. Leicht möglich, dass seine Karriere bald beendet ist.

Denkbar, dass auch Marion Jones nicht ungeschoren davon kommt. Doch im Grunde war sie schon in Athen restlos bedient. Im Weitsprung hielt sich der Fehlschlag der Marion Jones (6,85 Meter noch im Rahmen. Beim Triumph von Tatjana Lebedewa (7,07) und der russischen Troika mit Irina Simagina und Tatjana Kotowa (beide 7,05) fehlten 20 Zentimeter an Bronze.

Doch danach nahm das Desaster erst so richtig seinen Lauf. «Wir wollten Weltrekord laufen, schneller sein als die DDR-Frauen 1985 - und dann dies», seufzte Jones und wischte sich die Tränen mit dem Handrücken aus dem Gesicht.

Das Malheur geschah, als die bei den Trials über 100 und 200 Meter am Athen-Start gescheiterte Jones den Stab auf Lauryn Williams übergeben wollte. Statt auf Nummer sicher zu gehen, lief die Staffelkollegin zu schnell weg. «Ich schrie: Stopp. Doch es war zu spät, ich konnte sie mit dem Stab nicht mehr erreichen.» Die Konsequenz war bitter: Wechselmarke überlaufen, Disqualifikation. Erstmals seit den Boykottspielen 1980 in Moskau keine 4x100-Meter-Medaille für die USA. Doch viel schlimmer war die Niederlage für Marion Jones.

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