Nach Eröffnung der US-Börsen
Dax erholt sich leicht

In Erwartung eines Militärschlags der USA als Reaktion auf die Anschläge der Vorwoche haben die deutschen Aktienmärkte am Freitag zeitweise massiv an Wert verloren und neue Tiefstände markiert. Nach einem weniger schwach als erwarteten Handelsstart in den USA baute der Deutsche Aktienindex (Dax) allerdings einen großen Teil seiner Verluste ab und verbuchte am späten Nachmittag ein Minus von 1,5 % auf 3 741 Punkte.

Reuters FRANKFURT. Zuvor war der Index zeitweise um mehr als sieben Prozent auf den tiefsten Stand seit November 1997 gefallen. "Der Markt ist schon ziemlich verrückt", sagte ein Aktienhändler. Am Neuen Markt fiel der Nemax50 zeitweise um mehr als 13 % auf ein neues Rekordtief, verbuchte am späten Nachmittag jedoch ein Minus von 6,5 % auf 697 Zähler.

Am Vorabend (Ortszeit) hatte der US-Präsident George W. Bush in einer Rede die radikal-islamische Taliban-Regierung in Afghanistan aufgefordert, sofort alle Anführer der Organisation des Extremisten Osama bin Laden, den die USA als Hauptverdächtigen für die Flugzeug-Anschläge in New York und Washington nennen, an die US-Behörden auszuliefern. Sollte die mögliche Vergeltung der USA wieder Gegenmaßnahmen provozieren oder sich in die Länge ziehen, werde der Markt weiter unter der unsicheren Lage leiden, sagte ein Händler.

Allerdings baute der Dax im Sog von weniger schwach als erwarteten US-Börsen einen großen Teil der Verluste wieder ab und notierte sogar kurzzeitig in der Gewinnzone. Nachdem der für den Börsenstart in New York maßgebliche Future einen um bis zu fünf Prozent schwächeren Handelsstart des Industriewerte-Index Dow Jones indiziert hatte, notierte das Kursbarometer nach rund 90 Handelsminuten lediglich mit einem Abschlag von 1,7 % auf 8 230 Zählern.

Stimmung am Boden

Kurzzeitig hatte der US-Index ebenfalls im Plus notiert, nachdem General Electric einen optimistischen Ausblick für dieses Jahr gegeben hatte. Die Technologiebörse Nasdaq gab um knapp drei Prozent auf 1 428 Punkte nach. "Das sind jetzt alles kurzfristige Entwicklungen", sagte ein Händler und verwies darauf, dass sich die allgemeine Situation nicht gebessert habe.

"Keiner will hier am Markt das Risiko eingehen und vor den drohenden Vergeltungsmaßnahmen noch Bestände aufbauen", sagte Stefan Buchholz, Aktienhändler bei der DZ Bank. "Die Stimmung ist am Boden. Dieser Markt ist stark überverkauft." Dennoch könne der Markt auch in der kommenden Woche weiter nachgegeben, solange die politische Lage sich nicht entspanne, der Dax sämtliche Unterstützungsniveaus durchbreche und die Unternehmen ihre Gewinnaussichten weiter reduzierten.

Für überdurchschnittlich hohe Umsätze sorgte der Verfall von Index-Futures und-Optionen in der Mittagsauktion. Am Freitag ist der so genannte "dreifache Hexensabbat", an dem sowohl Aktien- und Indexoptionen als auch Futurekontrakte an der Terminbörse Eurex verfallen. Auf dem elektronischen Handelssystem Xetra werden dabei in der Mittagsauktion als auch in der Schlussauktion die relevanten Settlementpreise ermittelt.

Volkswagen wieder im Plus

Die Papiere der Technologiefirma SAP , die im frühen Verlauf rund zehn Prozent eingebüßt hatten, verbuchten bis zum späten Nachmittag einen Abschlag von 2,2 % auf 100 Euro. Der Softwarekonzern, der am Vortag noch seine Jahresprognose bekräftigt hatte und gegen den Trend zulegen konnte, fiel am Vormittag unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Euro auf den tiefsten Stand seit April 1999 bei 90,50 Euro. Nun erfasse die Unsicherheit des Gesamtmarktes auch die Walldorfer Softwareschmiede, sagte ein Händler.

9 % schwächer notierten die Papiere der Allianz bei 200,50 Euro, nachdem der Versicherungskonzern zum zweiten Mal seit den Anschlägen in den USA eine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte. Der Versicherungskonzern gehe nun von Belastungen durch die Anschläge in den USA in Höhe von einer Milliarde Euro aus. Der Jahresüberschuss 2001 werde mit rund 1,7 Mrd. Euro erwartet. Am vergangenen Mittwoch, dem Tag nach den Anschlägen, hatte die Allianz die Belastungen noch auf bis zu 700 Mill. Euro und den Jahresüberschuss für 2001 auf knapp über zwei Mrd. Euro beziffert.

Von ihren Verlusten von knapp 8 % erholten sich die Aktien von Volkswagen , die am späten Nachmittag um knapp 6 % auf 35 Euro stiegen. Händler führten die Entwicklung auf das neue Jahrestief zurück, das die Aktie nach der Kurszielsenkung des Bankhauses Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) am Vormittag erreicht hatte. "Autowerte und somit auch VW sind einfach unterbewertet", sagte ein Marktteilnehmer.

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