Nach Europa und den USA fällt nun auch der Heimatmarkt aus
Japans Autobauer vor neuer Sanierungsrunde

Auf der Tokyo Motor Show präsentiert sich der Gastgeber mit massiven Problemen. In Europa macht die japanische Autoindustrie Verlust, in den USA brechen die Gewinne ein, und jetzt scheint auch die kurze Blüte des Heimatmarktes zu enden. Die Branche kämpft mit einer Modellflut um Marktanteile

TOKIO. Die japanische Autoindustrie richtet sich auf einen massiven Abschwung ein. Anlass für die schlechte Stimmung auf der am Mittwoch beginnenden Tokyo Motor Show ist nicht nur der Terroranschlag in den USA. Auch für das Inland sagen Experten nach der stetigen Expansion der vergangenen Monate eine Abschwächung voraus. In Europa als drittem wichtigen Markt schreiben alle großen japanischen Hersteller rote Zahlen.

Nach Feststellung der Bank von Japan rechnen die führenden Unternehmen der Branche mit einer massiven Verschlechterung des Geschäftsklimas und drosseln ihre Investitionen. Das Daiwa Institute of Research rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2001/02 (31.3.) in den USA, West-Europa und Japan insgesamt mit einem Absatzrückgang um 7 % auf 35,4 Mill. Fahrzeuge. Für 2002/03 werden nur noch 34,1 Mill. Fahrzeuge prognostiziert.

Für den US-Markt prognostizieren Nissan Motor und Daiwa in diesem Jahr 15,7 Mill. Fahrzeuge. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen für das nächste Jahr nur noch mit 14,8 Mill. verkauften Autos. Das bedeutet für die japanischen Hersteller trotz ihrer spektakulären Marktanteilsgewinne eine erhebliche Belastung der Ertragslage. Toyota, Nissan, Honda, Mitsubishi und Mazda setzten in den USA zwar im Geschäftsjahr 2000/01 nur gut ein Dirttel ihrer Gesamtproduktion ab, sie erwirtschaften dort aber 45 % ihrer operativen Ergebnisse. So hat Nissan in der ersten Hälfte des laufenden Rechnungsjahrs 2001/02 fast die Hälfte seines operativen Gewinns in den USA eingebüßt.

Daneben sind sich die führenden Autoanalysten einig, dass es den japanischen Autoherstellern auch mittelfristig kaum gelingen wird, in Europa schwarze Zahlen zu schreiben. Hauptursachen seien neben dem schwachen Euro das nicht dem Markt entsprechende Sortiment und die schwache Vertriebsorganisation, sagt Stephen C. Usher, Senior Analyst bei J.P. Morgan Securities Asia. Den aktuellen Diesel-Boom in Europa haben die Japaner praktisch verpasst.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr verkauften die fünf größten japanischen Hersteller in den USA insgesamt 1,8 Mill. Autos und fuhren 137,1 Mill. Yen operativen Verlust ein. In 2001/02 werde das Ergebnis nicht besser sein, sagt Koji Endo, Leiter des Aktienresearch der Credit Suisse First Boston Securities in Japan. Lediglich längerfristig zeichne sich für Toyota und Honda eine positive Entwicklung ab.

Für den japanischen Markt wird von den Analysten für das kommende Jahr mit einem Marktvolumen von 5,6 bis 5,9 Mill. Fahrzeugen gerechnet Das entspräche dem aktuellen Niveau, nachdem 2000/01 noch 6 Mill. Autos verkauft wurden. Angesichts des erwarteten Exportrückgangs dürfte jedoch eine weitere Drosselung der Inlandsproduktion unvermeidlich sein. Damit stünde der japanischen Autoindustrie eine weitere Sanierungsrunde bevor.

Die fünf führenden Hersteller wappnen sich mit einer Flut von 28 neuen Modellen in 2001/02 und 35 Neuheiten im Folgejahr für den Verdrängungswettbewerb. Diese Welle von Neueinführungen hat mehrere Ursachen: Die in Restrukturierung befindlichen Hersteller (Nissan, Mitsubishi Motors und Mazda) ergänzen jetzt ihre ersten Erfolge bei der Kostensenkung durch eine Wachstumsstrategie.

Bei Toyota und Honda, die recht gut dastehen, hat die Vereinheitlichung von Plattformen zu kürzeren Entwicklungszeiten geführt. Daneben haben neue Produktionssysteme auch Kostensenkungen bei Modellwechseln ermöglicht. Außerdem sind alle Hersteller bemüht, neue Marktsegmente zügig zu besetzen.

Die zentrale Frage der kommenden Monate ist jetzt einerseits, ob es dem Toyota-Konzern gelingt, die Expansion von Honda aus den vergangenen Monaten zu stoppen. Andererseits müssen die Konkurrenten Nissan, Mitsubishi Motors und Mazda die Erfolge ihrer Comeback-Operationen vorweisen.

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