Nach Explosion in Waffenlager Munition entfernt
Afghanistan kommt nicht zur Ruhe

Der afghanische Präsident Hamid Karsai reagiert auf anhaltende Berichte über die zunehmende Gesetzlosigkeit und Kämpfe im Norden des Landes und schickt eine ranghohe Delegation in das Gebiet.

WiWo/ap KABUL/ISLAMABAD. Nähere Einzelheiten wurden aber zunächst nicht genannt. Die Delegation soll die Provinzen Balch, Samangan, Dschosdschan und Farjab besuchen und dort Informationen über die soziale Lage und die Einhaltung der Menschenrechte sammeln, wie es am Samstag im afghanischen Fernsehen hieß. In vielen Gebieten Nordafghanistans hat die Regierung praktisch keine Autorität. Dort herrschen der usbekische Milizführer Raschid Dostum oder der Tadschike Atta Mohammed. In der vergangenen Woche soll es zu heftigen Kämpfen gekommen sein. Auch internationale Organisationen haben gedroht, das Gebiet zu verlassen.

Für die Überwachung der afghanischen Grenze wollen die Vereinigten Staaten Pakistan fünf Hubschrauber und drei Aufklärungsflugzeuge zur Verfügung. An der pakistanischen Westgrenze zu Afghanistan herrschen zahlreiche unabhängige Stammesführer, von denen viele das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden unterstützen. Die amerikanischen Behörden schätzen, dass auf beiden Seiten der Grenze noch rund 1 000 Kämpfer der El Kaida in kleinen Gruppen operieren.

Die pakistanische Polizei hat unterdessen die Fotos von elf Terrorverdächtigen veröffentlicht und für ihre Ergreifung eine Belohnung bis zu 20 Millionen Rupien (rund 320 000 Euro) ausgesetzt. Den Betroffenen, deren Porträts am Samstag in der englischsprachigen Tageszeitung "Dawn" abgedruckt wurden, wird eine Beteiligung an den Anschlägen auf das US-Konsulat sowie auf einen Bus vor dem Sheraton-Hotel in Karachi vorgeworfen. Einigen wird ferner die Entführung und Ermordung des US-Journalisten Daniel Pearl mit zur Last gelegt.

Nach der verheerenden Explosionsserie in einem ehemaligen Waffenlager der Taliban haben afghanische Soldaten mit der Räumung der verstreuten Munition begonnen. Bis Samstagmorgen stieg die Zahl der Todesopfer der Katastrophe von Spinboldak im Süden Afghanistans auf mindestens 25. Unterdessen waren am Rande der Hauptstadt Kabul zwei weitere Explosionen zu vernehmen. Im einen handelte es sich um die Explosion einer Landmine in der Nähe des Flughafens. Die Ursache der zweiten Explosion war zunächst nicht bekannt. Auch hier wurde jedoch vermutet, dass eine der zahlreichen noch nicht geräumten Minen im Flughafenbereich hochgegangen war.

Im 500 Kilometer südwestlich der Hauptstadt gelegenen Spinboldak hatten Unbekannte in der Nacht zum Freitag eine Rakete in das ehemalige Taliban-Depot gefeuert. Dies löste eine Kettenreaktion von Explosionen und Bränden aus, die bis zum Morgen anhielten. Dabei wurden Munitionsteile über einem Umkreis von zwei Kilometern verstreut.

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