Nach fast 43 Betriebsjahren
Garchinger Atom-Ei wird endgültig abgeschaltet

dpa GARCHING. Ein Kapitel deutscher Atomforschung endet an diesem Freitag in Garching bei München: Nach fast 43 Betriebsjahren wird dort um exakt 10.30 Uhr der Forschungsreaktor München I (FRM-I) endgültig abgeschaltet. Das "Garchinger Atom-Ei" - wie der Reaktor wegen seiner aluminiumverkleideten Betonkuppel genannt wurde - war am 31. Oktober 1957 als erste nukleare Anlage in Deutschland in Betrieb genommen worden.

Der FRM-I, der zur Technischen Universität (TU) München gehört, galt als Inbegriff für den hohen Standard der deutschen Kernforschung. Hier forschte von 1959 an auch der spätere Physik- Nobelpreisträger Rudolf Mößbauer. Den nach ihm benannten Mößbauer- Effekt bei Gammastrahlen hatte er zwar schon zuvor am Heidelberger Max-Planck-Institut entdeckt, doch der 1961 verliehene Nobelpreis erhöhte nochmals auch das Ansehen des FRM-I.

Der FRM-I wurde knapp ein Jahr nach Baubeginn seiner Bestimmung übergeben. Die Kosten des Projekts, das vom damaligen Bundesatomminister Franz Josef Strauß (CSU) maßgeblich unterstützt worden war, beliefen sich auf rund 6,4 Mill. DM. In der Bevölkerung stieß das Projekt auf geteilte Reaktionen. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an Hiroshima und Nagasaki - an die verheerenden Wirkungen der Atomkraft bei militärischer Nutzung.

Im Laufe der Jahre galt das "Garchinger Atom-Ei" zunehmend als technisch überholt und veraltet. Im August 1996 wurde deshalb in unmittelbarer Nähe mit dem Bau eines umstrittenen Nachfolgereaktors begonnen, mit dem in Garching ein neues Kapitel der Atomforschung aufgeschlagen werden soll. Dieser Forschungsreaktor München II (FRM-II) soll nach den bisherigen Planungen Ende 2001 in Betrieb gehen. Die Kosten des vom Bund und von Bayern finanzierten Projekts werdenvon Haushaltspolitikern inzwischen auf mindestens 900 Mill. DM veranschlagt.

Der FRM-II ist wegen der geplanten Verwendung von hochangereichertem atomwaffentauglichen Uran als Brennstoff weltweit umstritten. Vor allem die USA sehen dadurch die internationalen Bemühungen torpediert, die weitere Verbreitung des Bombenstoffes einzudämmen. Gemäß der rot-grünen Koalitionsvereinbarung hat eine Kommission im Auftrag der Bundesregierung untersucht, welche Möglichkeiten für eine Umrüstung auf niedrig angereichertes Uran bestehen. Der Bericht der Kommission liegt seit Juni 1999 vor. Mit Spannung wird erwartet, wie sich das zuständige Bundesumweltministerium im Wege der ausstehenden dritten und abschließenden Teilgenehmigung entscheiden wird.

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