Nach Flutkatastrophe
Tschechien erhält 58 Millionen Euro von EU

EU-Kandidat Tschechien erhält zur Beseitigung seiner Hochwasserschäden voraussichtlich 58 Millionen Euro von der Europäischen Union. Das bestätigte EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen am Donnerstag in Prag bei einem Treffen mit Ministerpräsident Vladimir Spidla.

dpa/HB PRAG. Nach Angaben des Regierungschefs rechnet Tschechien mit Schäden in einer Gesamthöhe von umgerechnet 3,3 Milliarden Euro. Die Prager Regierung will zur Deckung der Kosten unter anderem die Steuer für Treibstoff und Tabak erhöhen. Tschechien will 2004 EU-Mitglied sein.

Die EU sei sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Beitrittskandidaten bewusst, sagte Verheugen. Laut Spidla hat die Regierung in Prag noch nicht entschieden, für welche Projekte die EU-Mittel verwendet werden.

Verheugen wollte am Mittag in Prag auch das besonders geschädigte ehemalige Jüdische Viertel und den Bezirk Karlin besuchen. Hier war bekannt geworden, dass Soldaten irrtümlich etwa 20 000 beschädigte Bücher aus historischen Archiven bei Aufräumarbeiten unmittelbar nach der Überschwemmung weggeworfen hatten. Historiker sprachen von einer "Katastrophe". In Prag-Troja wurden nach Angaben des Rundfunks wichtige Akten kommunistischer Schauprozesse zumindest stark beschädigt.

Nach Angaben der Zeitung "Lidove noviny" (Donnerstagausgabe) sind beim Austritt von Chlorgas aus dem böhmischen Chemiewerk Spolana Neratovice an der Elbe am vergangenen Freitag 19 Menschen verletzt worden. Ein Feuerwehrmann habe wegen starker Schluckbeschwerden zwei Tage im Krankenhaus behandelt werden müssen, berichtete das Blatt. Die mittlerweile entlassene Führung des Unternehmens hatte behauptet, bei dem Unfall sei es zu keinen besonderen Vorkommnissen gekommen. Auf dem Firmenareal beendete eine Spezialeinheit der Feuerwehr am Donnerstag den Transport von Chlor aus einem beschädigten Depot in ein neues Lager.

Angesichts der internationalen Berichterstattung über die Flut erwartet der tschechische Fremdenverkehrsverband einen starken Einbruch bei den Einnahmen aus dem Tourismus. Bei lokalen Veranstaltern seien zahlreiche Tschechien-Reisen schon storniert worden, sagte eine Sprecherin. Tschechien sei aber "immer noch sicher und schön".

In einigen Teilen der nordböhmischen Grenzregion zu Sachsen bleibt die Lage trotz des abgeflossenen Hochwassers ernst. Das Kreisamt in Decin kündigte am Donnerstag an, den Ausnahmezustand im beliebten Ausflugsort Hrensko vermutlich bis 15. September zu verlängern. Der Aufenthalt in der Grenzstadt sei weder für Touristen noch für die Bewohner ohne Gefahr möglich, hieß es. Nach Angaben eines Behördensprechers muss der Grenzübergang Zinnwald vermutlich "noch mehrere Monate" geschlossen bleiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%