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Nach Freitod von Soldaten fordert Union kürzeren Balkaneinsatz

Nach dem achten Freitod eines Bundeswehrsoldaten auf dem Balkan hat die Union Konsequenzen gefordert und einen kürzeren Balkan-Einsatz als bisher verlangt.

dpa BERLIN. "Das kann uns nicht ungerührt lassen", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Paul Breuer, der "Bild am Sonntag". Die Einsatzdauer bedürfe dringender Überprüfung. "Wir müssen weg von den sechs Monaten. Vier Monate auf dem Balkan sind genug." Auch der evangelische Militärbischof Hartmut Löwe warnte vor einem zu langen Einsatz. Ein solcher könne viele Partnerschaften gefährden, sagte Löwe dem Südwestrundfunk.

Das Verteidigungsministerium wies die Forderung zurück. "Die Selbstmorde hängen nicht mit der Einsatzdauer zusammen. Das ist faktisch falsch", sagte ein Sprecher. Bei den Selbsttötungen gebe es "keine bemerkenswerte statistische Häufung". Es gebe derzeit auch keine Überlegungen, den Einsatz zu verkürzen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Sonntag.

In dieser Woche hatte sich ein 24 Jahre alter Hauptgefreiter eines Heeresbataillons aus Mecklenburg-Vorpommern im Lager Prizren im Kosovo erschossen. Es war der achte Freitod seit Beginn des Bundeswehr-Einsatzes auf dem Balkan 1995. Nach Angaben des Deutschen Bundeswehrverbandes waren sieben der Soldaten jünger als 30 Jahre. Insgesamt seien bisher 30 deutsche Soldaten in den Kontingenten von KFor und SFor ums Leben gekommen.

Löwe sagte, viele hundert Soldatenehen seien durch den Einsatz auf dem Balkan bereits zerstört worden. "Wer sechs Monate von seiner Familie getrennt ist, steht das nur einigermaßen heil durch, wenn die Familie ohne wesentliche Probleme lebt." Die Militärseelsorge werde sorgfältig prüfen, ob die seit 18 Monaten geltende Ausweitung von vier auf sechs Monate weiterhin zu befürworten sei.

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