Nach fünf Jahren wieder am Anfang
T-Aktie: Albtraum für Aktionäre

Genau fünf Jahre nach dem Börsengang steht die einst hochgepriesene "Volksaktie" der Deutschen Telekom ungefähr dort, wo einmal alles begann.

dpa BONN. Für die vielen Kleinanleger, die erstmals im Leben ihr sauer Erspartes in Aktien anlegten, wurde die Kursentwicklung zum wahren Albtraum. Viele stiegen noch bei hohen Kursen ein, doch die T-Aktie stürzte vom bisherigen Höchststand von knapp 104 Euro im März 2000 bis unter den Ausgabepreis und dümpelt seither auf niedrigem Niveau. "Dass manche Menschen mehr als die Hälfte ihres eingesetzten Kapitals verloren haben, macht mich sehr betroffen", sagte Telekom-Chef Ron Sommer unlängst.

Innerhalb von 18 Monaten hatte die T-Aktie knapp 90 Prozent an Wert eingebüßt. Wenige Stunden nach den Terroranschlägen am 11. September streifte sie das historische Tief von 13,12 Euro. Dabei hatte alles so hoffnungsfroh begonnen: Als der erste offizielle Kurs am 18. November 1996 auf der Anzeigetafel der Frankfurter Börse aufleuchtete, klirrten die Sektgläser. Telekom-Chef Sommer durfte aufatmen: Die Aktie hatte einen Start nach Maß hingelegt und war gleich um fast 5 DM über ihren Ausgabekurs von 28,50 DM (14,57 Euro) gesprungen. Der Werberummel um die T-Aktie mit ihrem Chefpromotor Manfred Krug hatte sich gelohnt: Zwei Millionen Kleinanleger zeichneten die Volksaktie.

In diesem Wochen hat sich die Aktie mit derzeit rund 20 Euro wieder etwas von ihren Tiefständen berappelt. Das Papier sei völlig unterbewertet und spiegele nicht den geschäftlichen Erfolg des Unternehmens wider, meint Sommer. Erst bei einem Kurs von mindestens 70 Euro fühle er sich wieder wohl.

Debakel um fallende Kurse

Das Debakel um fallende Kurse und das schwindende Interesse der Anleger an der Telekom hat einen Namen: UMTS. Nachdem die T-Aktie nach dem Börsenstart zunächst einige Zeit vor sich hindümpelte, regten Ende 1999 neue Aussichten im Mobilfunk der Zukunft die Fantasie der Anleger an: Die Kurse von Internet- und Telekom-Werten explodierten. An der Börse wurde Europas größter Telekommunikationskonzern mit mehr als 300 Milliarden Euro bewertet.

Doch die Milliarden-Kosten für die UMTS-Lizenzen riefen Skeptiker auf den Plan. Für diesen "Sack voller Luft", wie Kritiker spöttelten, hatte die Telekom allein rund 30 Milliarden DM (15,34 Mrd. Euro) ausgegeben. Nur wenige Anbieter würden die ernormen Ausgaben über neue UMTS-Dienste wieder einspielen können, sagten Experten. Die Stimmung an der Börse drehte und riss die Technologiewerte in den Keller.

Hausgemachte Probleme

Aber nicht nur das Branchentief drückte auf den Kurs der T-Aktie. Hausgemachte Probleme kamen hinzu. Vor allem der Skandal um eine angebliche Falschbewertung des Immobilienvermögens kostete dem Unternehmen Image und weitere Kursabschläge. So berichtigte die Telekom Anfang 2001 ihr Immobilienvermögen um fast zwei Milliarden Euro nach unten. Grund: Vorzeitiger Verkauf der Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, um die Schulden (65 Mrd. Euro) zu reduzieren. Die Anleger waren empört. Strafanzeigen gegen Vorstandschef Sommer wurden gestellt und sein Rücktritt gefordert.

Als gescheitert oder zumindest überteuert sehen Aktionärsvertreter außerdem die Internationalisierungsstrategie der Telekom. Hierzu zählen sie vor allem den Erwerb des US-Mobilfunkbetreibers Voicestream für mehr als 35 Milliarden Euro. Die neue Tochterfirma schreibt ebenso tiefrote Zahlen wie die britische One-2-One, die die Telekom zuvor gekauft hatte.

Im Mobilfunkgeschäft, einst die Geldmaschine des Unternehmens, türmen sich derzeit Verluste auf. Zudem hat die Telekom in der Sparte in Westeuropa noch weiße Flecken: So ist das Unternehmen weder in Frankreich, noch in Italien und Spanien vertreten. Nur in Mittel- und Osteuropa haben die Bonner ein flächendeckendes Netz geknüpft. Jetzt wird integriert und nicht akquiriert, lautet Sommers Devise. Dies könnte sich 2002 aber wieder ändern, wenn die T-Mobile an die Börse kommt. Und damit steht auch eine neue Akquisitionswährung zur Verfügung.

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