Nach G-7-Aufruf
Japan hält an Währungspolitik fest

Japan bleibt stur: Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen hatte in ungewöhnlich deutlicher Form stärker an den Märkten orientierte Wechselkurse gefordert. Japan, einer der Adressaten, will dennoch an der Politik des schwachen Yen festhalten.

HB DUBAI/TOKIO. "Bei den Wechselkursen plane ich keine Änderung unserer Politik", sagte der neue japanische Finanzminister Sadakazu Tanigaki am Montag. "Wechselkurse sollten die Fundamentaldaten widerspiegeln und nicht volatil sein." Kontinuität in den Eckpunkten seiner Wirtschaftspolitik signalisierte Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi auch mit seiner Kabinettsumbildung am Montag. Der Minister für Wirtschaft und Finanzdienstleistungen, Heizo Takenaka, der für die Reform des angeschlagenen Bankensektors steht, behielt seinen Posten.

Die Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G-7) hatte am Wochenende in ungewöhnlich deutlicher Form stärker an den Märkten orientierte Wechselkurse gefordert. Zum Schutz seiner Exportwirtschaft hat Japan wiederholt an den Devisenmärkten interveniert, um Kursanstiege seiner Landeswährung, des Yen, zu begrenzen. Die USA und Europa werfen darüber hinaus China vor, mit der Kopplung des Yuan an den Dollar seine Währung künstlich niedrig zu halten und sich damit einen unfairen Handelsvorteil zu verschaffen.

Japanische Regierungsvertreter betonten aber, es handele sich um allgemeine Forderungen, die sich nicht an bestimmte Länder richteten. "Das Kommunique gilt für alle Länder, und jedes Land muss überlegen, welche Schritte es einleitet", sagte der japanische Vize-Finanzminister Zembei Mizoguchi. "Wir haben unsere grundsätzliche Haltung in der Währungspolitik bekräftigt." Zur G-7 gehören die USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Italien, Frankreich und Deutschland.

Ein weiterer Kursanstieg des Yen, der am Montag zeitweise auf den höchsten Stand seit Dezember 2000 stieg, würde die japanische Exportwirtschaft belasten, weil sich japanische Produkte damit auf dem Weltmarkt verteuern. Verdeutlicht wurde dies durch am Montag veröffentlichte Daten zur japanischen Handelsbilanz. Der Überschuss legte im August im Jahresvergleich zwar um rund 23 % zu, Volkswirte verwiesen aber darauf, dass das zu Grunde liegende Exportvolumen zurückgegangen sei. "Wenn sich die Stärke des Yen fortsetzt, wird der Preisfaktor wegfallen; wenn dann das Volumen nicht zulegt, wird es eng", sagte der Volkswirt Yoshimasa Maruyama vom Mizuho Research Institute. Entsprechende Befürchtungen drückten an der Tokioter Börse die Kurse exportorientierter Unternehmen.

Positiv wurde an den Märkten dagegen die Kabinettsumbildung aufgenommen, mit der Ministerpräsident Koizumi dem für die Bankenreform zuständigen Ressortchef Takenaka den Rücken stärkte. Der Chefvolkswirt von JP Morgan in Tokio, Masaaki Kanno, sagte: "Dies ist ein starkes Signal, dass Koizumi die Reformen fortsetzen will." Koizumi hatte Takenaka für seine ehrgeizige Bankenreform ins Kabinett geholt. "Wir sehen gerade die Triebe der Strukturreformen, und meine Pflicht ist es, dies aus wirtschaftlicher Sicht zu einem starken Baum wachsen zu lassen", sagte Takenaka.

Kritiker des Ministers, unter anderem in konservativen Kreisen der Regierungspartei, sagen, der Zwang zu einer strikteren Vorsorge der Banken für problematische Kredite schade vor allem kleineren Unternehmen, die das Rückgrat der japanischen Wirtschaft bilden.

Der 81-jährige Finanzminister Masajuro Shiokawa scheidet aus Alters- und gesundheitlichen Gründen aus Koizumis Regierung aus. Sein Nachfolger Tanigaki war bislang Minister für öffentliche Sicherheit und Unternehmensförderung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%