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Nach Großumbau beginnt Bayer mit Feinarbeit

vwd DÜSSELDORF. Mit deutlich verkleinerter Mannschaft, neuer Struktur und anspruchsvollen Zielen startet die Bayer AG ins neue Jahr. Im Großen und Ganzen ist der tiefgreifende Umbau mit der Konzentration auf drei Großbereiche zwar schon abgeschlossen. Dennoch wird 2005 für den Leverkusener Dax-Konzern ein Jahr des Übergangs, denn viele Veränderungen müssen noch endgültig umgesetzt werden. Vor allem im Gesundheitsbereich gibt es mit der Integration neuer Produkte, mit Fokussierung und mit Kooperationen viel zu tun. Von den Veränderungen insgesamt erwarten Analysten positive Folgen für das Ergebnis und die Margen.

Besonders begrüßen die Experten, dass Bayer ein Fünftel des Umsatzes und 20.000 Mitarbeiter in den neuen Chemiekonzern Lanxess auslagert. Er wird im Januar als eigenes Unternehmen an die Börse gehen. Auch die Gesundheitssparte hat sich stark gewandelt. Bayer hat sie durch das Geschäft mit verschreibungsfreien Arzneien des Schweizer Konzerns Roche verstärkt. Vor allem aber wurde die Division Pharma umgebaut, denn der Konzern will sich hier als mittelgroßer Europäischer Anbieter aufstellen.

"Das Schiff Bayer wurde in die richtige Richtung gelenkt", sagt Markus Metzger, Analyst beim Bankhaus Vontobel. Jetzt müsse sich zeigen, ob der Konzern in den drei Säulen HealthCare, CropScience und MaterialScience profitabel arbeiten und die ehrgeizigen Renditeziele erreichen könne. Die Analysten sind dabei überwiegend optimistisch. So rechnet Sal. Oppenheim für 2005 beim operativen Ergebnis mit einem Plus von rund 17 Prozent auf 2,2 Mrd Euro und beim Nettogewinn mit 906 Mio nach geschätzten 655 Mio Euro dieses Jahr.

Dabei ist der Gesundheitssektor der Bereich mit den größten Risiken und Aufgaben. In den ersten neun Monaten hatte die Sparte zwar den höchsten Umsatz unter den Teilkonzernen erzielt. Als Problem gilt aber der Mangel an neuen Pharmaprodukten. Zudem sind die Erlöse des umsatzstarken Antibiotikums "Cipro" stark Rückläufig, weil das Patent abgelaufen ist. Im Blickpunkt steht jetzt neben der Forschungspipeline der Umsatz des Mittels "Levitra" gegen Erektionsstörungen. Bayer hatte darauf große Hoffnungen gesetzt, doch der Gesamtmarkt bleibt ebenso hinter den Erwartungen zurück wie der Erlös.

Zwei wichtige Forschungs-Projekte

Neben der aktuellen Umsatzentwicklung achten Analysten vor allem auf zwei fortgeschrittene Forschungs-Projekte. Für das Krebsmedikament Bay 43-9006, das 2006 auf den Markt soll, stellt Bayer nächstes Jahr eventuell einen Zulassungsantrag. Das Thrombose-Mittel Faktor-Xa-Inhibitor, derzeit in der klinischen Phase IIb, könnte in die nächste Phase der Untersuchung gelangen. Hier strebt Bayer den Marktstart für das Jahr 2008 an.

Noch umsetzen muss Bayer den Umbau der Pharmaforschung. Seit der vergangenen Woche ist bekannt, dass sie auf die Therapiefelder Krebs und Herzkreislauf einschließlich Diabetes konzentriert wird. Die Gebiete Urologie und Antiinfektiva gibt Bayer auf. Zudem reduziert der Konzern seine Kosten durch eine Vertriebs- und Marketingkooperation mit dem US-Konzern Schering-Plough. Wie sich das auf das Ergebnis auswirken wird, ist noch unklar. Außerdem wird wohl bald das Blutplasmageschäft verkauft.

Eine weitere Aufgabe für den Teilkonzern ist die Integration des Geschäfts mit verschreibungsfreien Medikamenten von Roche. Zum Jahresbeginn will Bayer hier die operative Führung übernehmen. Weniger Arbeit als bislang wird dagegen vermutlich der vom Markt zurückgezogene Cholesterinsenker "Lipobay" machen, der dem Konzern mehr als drei Jahre gerichtlicher Auseinandersetzungen eingebracht hatte. Bayer rechnet damit, dass in den USA nur noch weniger als 100 Fälle per Vergleich beigelegt werden müssen.

Im Teilkonzern MaterialScience ist die Frage, ob sich der jüngste Aufschwung 2005 fortsetzt. Der Euroopäische Chemieverband Cefic rechnet mit einem weiteren Schub für diese Industrie. Den Analysten von HelabaTrust zufolge wird die Sparte nächstes Jahr für Bayer der Treiber für Ergebnis und Cash-Flow. Der dritte Teilkonzern, das Pflanzenschutzgeschäft, dürfte 2005 erneut vom guten Gesamtmarkt und von Kostensenkungen profitieren.

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