Nach gutem Jahr 2001 lässt die Investitionszurückhaltung der Industrie die Auftragspolster schmelzen
Boom bei Werkzeugmaschinen ist vorbei

Die deutschen Hersteller von Werkzeugmaschinen spüren die wirtschaftliche Schwäche. Nach sieben Boomjahren rechnet die Branche nun mit deutlichen Rückgängen bei der Produktion.

jkn FRANKFURT/M. Als eine der letzten Branchen innerhalb des deutschen Maschinenbaus geraten nun auch die Hersteller von Werkzeugmaschinen in den Abwärtssog der Wirtschaft. Nachdem die Branche 2001 noch ein Rekordergebnis hat erzielen können, rechnet der Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) für das laufende Jahr mit einem Produktionsrückgang um rund ein Zehntel. "Der sieben Jahre währende Aufschwung geht zu Ende", sagte der VDW-Vorsitzende Berndt Heller - eine Prognose, die auf den ersten Blick übertrieben pessimistisch erscheint.

Zwar fiel der Auftragseingang 2001 um 13 %. Doch konnte die Branche Anfang Januar mit einem Auftragsbestand von rund 9,4 Mrd. Euro fast eine gesamte Jahresproduktion mit ins neue Jahr nehmen. Längerfristig kann die Branche mit dem Auftragspolster jedoch nicht zufrieden sein. Im Werkzeugmaschinen-Bau haben Aufträge Durchlaufzeiten von zum Teil mehr als einem Jahr. Einige der nun erteilten Order werden deshalb erst 2003 abgerechnet. "Die Auftragsbestände dürften deutlich dünner geworden sein", schätzt Richard Schramm von HSBC Securities. Das bestätigt eine andere Kennzahl. So ist die durchschnittliche Reichweite der Aufträge gegenüber dem Vorjahr von 8,3 auf 7,4 Monate gesunken.

Unter dem Strich steigerte die Branche ihre Produktion im vergangenen Jahr um ein Zehntel auf rund 10 Mrd. Euro - ein neuer Rekord. Während der Export um rund 9 % auf 5,6 Mrd. Euro zulegte, wuchs das Inlandsgeschäft um 11 % auf rund 4,4 Mrd. Euro. Negative Nachrichten kommen vom wichtigsten Absatzmarkt USA. Dort fielen die Auftragseingänge allein von Januar bis September 2001 um 9 %. Dagegen liefen die Geschäfte in China sehr gut.

Werkzeugmaschinen sind Anlagen zur Metallbearbeitung. Kunden sind vor allem die Automobilindustrie, Flugzeughersteller und der Maschinenbau selbst. "Jetzt zeigt sich, dass sich die Investitionszurückhaltung in den Hauptabnehmerbranchen auswirkt", sagte HSBC-Analyst Schramm. Nach der Sonderkonjunktur vergangener Jahre sei 2002 wohl eine Pause angesagt. "Erst ab 2003 wird es dann wieder besser werden", glaubt Schramm. Der Analyst bemängelt vor allem das Ertragsniveau der Branche.

Nach Angaben von Diether Klingelnberg, Präsident des Maschinenbau-Dachverbandes VDMA, hat sich die Umsatzrendite im Werkzeugmaschinenbau im abgelaufenen Jahr zwar von etwa 6 % auf 6,9 % vor Steuern deutlich verbessert. Angesichts der hohen Steuerlast der überwiegend mittelständischen Betriebe bliebe davon nach Steuern aber lediglich 3, 4 übrig. "Das ist eindeutig zu wenig. Wir brauchen nach Steuern mindestens 5 Prozent", so Klingelnberg.

Dennoch will die Branche den Kopf nicht hängen lassen. "Wir sind optimistisch, dass wir die bevorstehende Delle bald überwunden haben", gab sich Klingelnberg zuversichtlich.

Heftige Kritik übte der VDMA-Präsident an der Art und Weise, mit der sich Großbanken aus dem Kreditgeschäft mit dem Mittelstand verabschieden. "Ich kenne Fälle, wo die Banken trotz einer Eigenkapital-Quote von über 50 Prozent die Kreditlinie gekürzt haben. Wenn das umgesetzt wird, werden wir noch einige Insolvenzen in unserer Branche sehen", sagte Klingelnberg.

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