Nach heftigen Kämpfen
Liberianische Rebellengruppe verkündet Waffenruhe

Die wichtigste liberianische Rebellengruppe hat am Freitag eine Waffenruhe ausgerufen. Nach Angaben des britischen Senders BBC sollten Waffen von der Mittagszeit an schweigen.

HB/dpa MONROVIA/ACCRA. Der Kommandeur der Bewegung Vereinte Liberianer für Versöhnung und Demokratie, Joe Wylie, sagte dem Radiosender BBC jedoch einschränkend, dass seine Männer im Falle eines Angriffs der Truppen von Präsident Charles Taylor zurückschlagen würden. Wylie forderte die USA auf einzugreifen, um die Kämpfe zu beenden. Unterdessen berichteten Augenzeugen von andauernden Gefechten rund um den Hafen der Hauptstadt Monrovia.

"Wenn Taylors Kämpfer auch nur einen Stein nach uns werfen, werden wir uns wehren", sagte Rebellenkommandeur Wylie der BBC in Ghanas Hauptstadt Accra. Dort hatten Vermittler der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas am Nachmittag die Friedensgespräche für eine Woche ausgesetzt. Zuvor war eine Frist der Vermittler an die Konfliktparteien verstrichen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

"Wir wollen die Verhandlungen retten", sagte Wylie. "Deshalb werden wir unseren Kämpfern befehlen, die Gefechte einzustellen." Die Rebellen hatten am Donnerstagabend einen neuen Anlauf zum Sturz von Staatschef Taylor unternommen. Wenige Stunden nach einem Rücktrittsappell von US-Präsident George W. Bush an Taylor setzten heftige Kämpfe im Stadtzentrum ein, berichteten Augenzeugen. In den Gefechten sind seit Dienstag mindestens 300 Menschen getötet worden. Gesundheitsminister Peter Coleman sprach von über 1000 Verletzten.

Tausende Zivilisten suchten verzweifelt Schutz vor dem Bomben- und Granathagel im Stadtzentrum. Unter ihnen befinden sich rund eine Viertelmillion Obdachloser, die in den vergangenen Wochen vor den Kämpfen im Umland in die Hauptstadt geflohen waren.

Die Zahl der Flüchtlinge im SOS-Kinderdorf Monrovia stieg am Freitag innerhalb weniger Stunden von 2000 auf über 5000, erklärte der Hermann-Gmeiner-Fonds Deutschland am Freitag in München. Starker Regen behindere die Versorgung der Flüchtlinge, die großteils im Freien ausharren müssten.

Der Verkehr und die Kommunikation in der Hauptstadt waren völlig zusammengebrochen. Rebellen wie Regierungssoldaten wurden beim Plündern von Häusern und Geschäften beobachtet. Einwohner der Millionenmetropole reihten ihre Toten, darunter auch Kinder, vor der amerikanischen Botschaft auf. Sie forderten eine amerikanische Intervention, um den Konflikt zu beenden.

Die Regierung dankte US-Präsident Bush im staatlichen Rundfunk für sein Interesse am Konflikt. Sie warnte jedoch, eine übereilte Lösung könne zu Anarchie und Chaos und einer Verschlechterung der Situation führen. Bush hatte Taylor am Donnerstag zum Rücktritt aufgefordert, "damit seinem Land nach 14 Jahren Krieg weiteres Blutvergießen erspart bleibt". Der Präsident appellierte zugleich an alle an den Kämpfen beteiligten Parteien, eine umfassende Friedensvereinbarung anzustreben.

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