Nach Herabstufung der Schuldentitel
Worldcom umschifft Liquiditätskrise nur knapp

Der US-Telekom-Konzern Worldcom scheint eine akute Liquiditätskrise nur knapp abgewendet zu haben. Nachdem die Rating-Agentur Moody's Investor Service die Schuldentitel des in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Unternehmens am Donnerstag auf Junkbond-Niveau herunterstufte, scheint die Liquidität kurzfristig doch gesichert.

vwd CLINTON. Die Gläubiger ließen Worldcom nicht im Stich. Sie haben der US-Telekomgesellschaft durch eine Verzichtserklärung am Donnerstag kurzfristig die Liquidität gesichert. Der Verzicht beziehe sich auf ein Finanzierungsprogramm über zwei Mrd. Dollar. Die Herabstufung durch Moody's hatte Restverbindlichkeiten per sofort fällig gestellt. Diese Verzichtserklärung bedeutet nach Angaben von Worldcom, dass durch die Bonitätsherabstufung weder das Finanzierungsprogramm, noch die Liquidität des Konzerns, einschließlich der Anleihen und Kreditfazilitäten, betroffen sind.

Worldcom verhandele derzeit über ein mit den Außenständen des Konzerns besichertes kleineres Finanzierungsprogramm über 1,5 Mrd. $, das keine Koppelung an ein Bonitätsrating vorsehe. Man erwarte einen Abschluss für das Programm bis zum 23. Mai, wenn die jetzt ausgesprochene Verzichtserklärung auslaufe. Was die am 7. Juni fällige Kreditfazilität über 2,65 Mrd. $ angehe, so liefen die Umschuldungsverhandlungen nach Plan, versuchte Worldcom weitere Bedenken zu zerstreuen. Moody's hatte bei der Herabstufung gewarnt, dass eine weitere Ratingsenkung sei für den Fall möglich sei, dass es WorldCom nicht gelinge, die 2,65-Mrd-Kreditfazilität bis zur Fälligkeit umzuschulden.

Moody's, die die vorrangigen nicht besicherten WorldCom-Verbindlichkeiten um drei Punkte auf "Ba2" von "Baa2" zurückgestuft hatte, begründete ihren Schritt am Donnerstag mit der deutlichen Verschlechterung der operativen Performance und der hohen Verschuldung des Konzerns. Zudem sei für die nahe Zukunft keine Besserung in Sicht, denn angesichts des Zustandes des Telekommarktes habe Worldcom nur begrenzte Möglichkeiten, ihre hohe Verschuldung von rund 30 Mrd $ zu senken.

Moody's-Analyst Robert Ray rechnet nicht damit, dass Worldcom in den kommenden Jahren zu einer Einstufung als erstklassiges Anlagepapier zurückfindet. Die Sprachtelefonie werde sich weiter rückläufig entwickeln, und die Entwicklung im Datenübertragungs- und Internet-Bereich werde voraussichtlich bestenfalls moderat sein. Dem Konzern werde es schwer fallen, die Kostenstruktur nachhaltig zu senken.

Die Problematik des schwachen Telekommunikationsmarktes hatte sich schon jüngst in einer Umsatzwarnung angekündigt. Nach Umsatzrückgängen in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen hatte Worldcom im April mitgeteilt, für das Jahr 2002 nur noch mit Einnahmen zwischen 21 Mrd und 21,5 Mrd $ zu rechnen. Damit würden die Umsätze bestenfalls auf dem Niveau von 2001 liegen, als Umsätze von 21,3 Mrd $ erwirtschaftet wurden.

Worldcom jedenfalls sieht nach den Worten ihres neuen CEO John Sidgmore in der Abstufung ihrer Bonitätsnoten keine Gefährdung der Liquidität. Die Senkung löse keinen Mechanismus zur vorzeitigen Rückzahlung von Anleihen aus, erklärte Sidgmore, der den früheren CEO Bernhard J. Ebbers erst Ende April abgelöst hat. Daher habe die Bonitätsrückstufung keinen Einfluss auf die Liquidität, die ausgereichten Anleihen und die Kreditlinien.

Darüber hinaus will Worldcom ihre Investitionsausgaben 2002 nun um etwa eine Mrd $ verringern und so Barmittel einsparen. Die Wachstumsbereiche der Gesellschaft sollen davon jedoch ausgenommen bleiben. Ursprünglich wollte der Konzern im laufenden Jahr 4,9 Mrd $ investieren. Nach den Worten des CFO Scott Sullivan führt das Unternehmen auch Gespräche mit Banken, um seine Kreditlinie über 2,65 Mrd $ zu ersetzen.

"Wir befinden uns in fortgeschrittenen Diskussionen mit greifbaren Fortschritten," sagte Sullivan. Worldcom wolle Vermögenswerte verkaufen, die nicht zu den Kernbereichen der Gesellschaft zählten. Dies geschehe nicht, um die Liquidität zu erhöhen, sondern um die Strukturen zu vereinfachen. In Betracht gezogen werde dabei das Einzelhandels- und das Breitbandgeschäft für den Mobilfunk sowie einige Teile des internationalen Netzwerkes.

Falls es Worldcom gelingt, ihre Kreditlinie bei den Banken in den kommenden Tagen zu erweitern, rechnen Beobachter damit, dass die Gesellschaft ein Teil ihrer Anleihen zurückkauft. Auf diese Weise sollen Investoren von der zumindest kurzfristigen finanziellen Stabilität des Unternehmens überzeugt werden. Worldcom muss bis zum 30. Juni eine weitere Kreditfazilität über 3,75 Mrd $ begleichen. Das Unternehmen verfügt ferner über eine Bankfazilität von 1,6 Mrd $, die im Juni 2006 fällig wird.

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