Nach Ifo-Index
Euro-Kurs gefallen

Der Kurs des Euro ist am Freitag wegen des unerwartet schwachen Ifo-Geschäftsklimaindexes auf ein vorläufiges Tagestief bei knapp über 0,85 $ gefallen. Die erwartungsgemäß rückläufigen Juni-Teuerungsraten in mehreren deutschen Bundesländern belebten aber Händlern zufolge zusammen mit dem schwachen Ifo-Index Spekulationen über eine Leitzinssenkung in der Euro-Zone im Juli.

Reuters FRANKFURT. Das dämpfte die Furcht vor einem Konjunktureinbruch in der Euro-Zone etwas und verhalf der Gemeinschaftswährung zu einer leichten Erholung. Der Yen blieb wegen der schwachen Wirtschaftslage Japans weiter unter Druck.

Gegen 11.45 Uhr MESZ wurde der Euro mit 0,8527/29 nach einer letzten Notiz am Donnerstagabend in New York von 0,8550/55 $ gehandelt. Die US-Valuta kostete 124,35/45 (124,50/60) Yen.

Mit 90,9 nach 92,5 Punkten im Vormonat war der vielbeachtete Index, der als Konjunkturbarometer für Deutschland und die Euro-Zone angesehen wird, im Mai auf sein niedrigstes Niveau seit zwei Jahren gefallen. Der unerwartet starke Rückgang habe die Marktteilnehmer überrascht, hieß es im Handel. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen Rückgang auf 91,7 Punkte prognostiziert. Einige Volkswirte schlossen angesichts der Daten eine Rezession in Deutschland nicht mehr aus und erwarteten zumindest eine schrumpfende Wirtschaft im zweiten Quartal. "Das setzt die EZB zusätzlich unter Druck, die Zinsen zu senken", sagte Jeremy Hawkins von der Bank of America in London.

Die Erwartung einer baldigen Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) verstärkten sich Händlern zufolge wegen der rückläufigen Inflationsdaten aus zwei deutschen Bundesländern, die kurz nach dem Ifo-Index veröffentlicht wurden. Die Inflation in Baden-Württemberg ging im Juni auf eine Jahresrate von 3,1 % nach 3,4 % im Mai zurück. In Brandenburg betrug die Jahresteuerungsrate nach Angaben des Statistikamtes 3,6 (4,1) %. Hessen hatte bereits am Vortag eine verlangsamte Inflation gemeldet.

Offenbar sei im Mai mit 3,4 % tatsächlich der Höhepunkt der Teuerung in der Euro-Zone überschritten worden, sagten Analysten. Darauf deuteten auch leicht rückläufige Teuerungsraten aus zwölf italienischen Großstädten hin. "Dies könnte, vor allem nach dem unerwartet schwachen Ifo-Geschäftsklimaindex für Mai, ein Signal für die EZB sein, die Leitzinsen in der Euro-Zone im Juli zu senken," sagte Ralph Solveen von der Commerzbank in Frankfurt. Die EZB hatte am Donnerstag die Leitzinsen nicht geändert und auf weiter vorhandenen Risiken für die Preisstabilität verwiesen. EZB-Präsident Wim Duisenberg ließ jedoch auf der Pressekonferenz erkennen, dass die Notenbank alllmählich Spielraum für eine Zinssenkung sieht. Er schloss nicht aus, dass die Inflation in der Euro-Zone im Mai ihren Höhepunkt erreicht hat.

Der Yen steht nach den von Wirtschaftsminister Heizo Takenaka am Vortag aufgezeigten düsteren Aussichten für die japanische Wirtschaft in den kommenden Jahren weiterhin unter Druck. Takenaka hatte gesagt, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Japans werde im laufenden Fiskaljahr 2001/02 (31. März) nur nahe Null expandieren und damit das Wachstumsziel der Regierung von 1,7 % verfehlen. Auch für die nächsten zwei bis drei Jahre sei nun mit einem Wachstum zwischen null und einem Prozent zu rechnen.

Unterstützt worden sei die japanische Währung dagegen durch die Bekräftigung von Finanzminister Masajuro Shiokawa, am Devisenmarkt einzugreifen, wenn die Kursbewegungen dramatische Formen annehmen sollten. Händler werteten die Äußerungen als Ermahnung, den Kurs des Yen nicht zu schnell und nicht zu weit zu treiben. "Die japanischen Behörden wollen den Dollar offenbar in einer Spanne von 120 bis 125 Yen halten. Deshalb gibt es nun einen psychologischen Widerstand bei 125 Yen," sagte Toshio Sugita von der Nissho Iwai Corp in Tokio.

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